Der Silberpreis hat am Donnerstag einen der schärfsten Tagesverluste der vergangenen Wochen verzeichnet. Nach einem Wochenhoch von 60,94 US-Dollar rutschte das Edelmetall laut FXStreet um mehr als 3,80 Prozent auf 57,62 Dollar ab. Damit setzt sich der seit Wochen laufende Abwärtstrend mit tieferen Hochs und tieferen Tiefs fort. Der Relative-Stärke-Index notiert unterhalb der neutralen 50-Marke und signalisiert damit weiterhin bärische Dynamik.
Auslöser der Verkaufswelle war ein Zusammenspiel aus geopolitischer Eskalation und geldpolitischer Unsicherheit. Nach Angriffen der Huthi-Miliz auf saudische Öltanker im Roten Meer schoss der Ölpreis deutlich nach oben, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,703 Prozent kletterte – den höchsten Stand seit Anfang 2025. Steigende Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten von zinslosem Edelmetall und setzten Silber zusätzlich unter Druck.
Nahost-Spannungen stützen Dollar und Zinsen
Parallel dazu hielt die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen unverändert – der Einlagensatz verbleibt bei 2,25 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde verwies auf die Unsicherheit rund um Energiepreise und mahnte angesichts der Risiken durch den Iran-Konflikt zur Vorsicht, ließ eine weitere Zinsanhebung im September aber offen. Der Euro schwächte sich in der Folge gegenüber dem US-Dollar ab, was Silber als in Dollar notiertes Edelmetall zusätzlich belastete.
Auf der anderen Seite verstärkten Markterwartungen zu einer möglichen Fed-Zinserhöhung im September die Verkaufsbereitschaft: Laut CME-FedWatch-Daten lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit dafür bei rund 78 bis 83 Prozent. Analyst Christopher Lewis verweist auf die Marke von 60 Dollar als entscheidenden Widerstand und macht das hohe US-Zinsniveau als zentralen Belastungsfaktor für den Silberpreis aus. In asiatischen Handelssitzungen zum Wochenschluss pendelte der Weltmarktpreis um die 58 bis knapp 60 Dollar je Feinunze, mit leichten Erholungsversuchen im Tagesverlauf.
Charttechnik: Bären peilen 55 Dollar an
Aus charttechnischer Sicht bleibt das Bild angespannt. FXStreet benennt als nächste Unterstützung das Julitief vom 17. Juli bei 54,77 Dollar. Fällt diese Marke, rücken die runde 50-Dollar-Schwelle sowie 48,64 Dollar in den Blick der Bären. Auf der Oberseite müsste der Silberpreis zunächst das Wochenhoch von 60,94 Dollar zurückerobern, bevor Widerstände bei 63,38 und 64,00 Dollar sowie der gleitende 50-Tage-Durchschnitt bei 65,79 Dollar in Reichweite kommen.
Das Edelmetall bewegt sich damit im Fahrwasser des breiteren Rohstoffmarktes, der von der Eskalation im Nahen Osten geprägt ist. Auch Gold geriet zeitgleich unter Druck und fiel im selben Zeitraum um rund zwei Prozent, da steigende Ölpreise und Anleiherenditen Inflations- und Zinssorgen befeuerten. Für Silber verstärkt dieser Umstand den Abwärtsdruck zusätzlich, da das Metall traditionell eng an die Goldpreisentwicklung gekoppelt ist, gleichzeitig aber durch seine hohe industrielle Verwendung sensibler auf Konjunktur- und Zinserwartungen reagiert.
Solange die geopolitische Lage am Roten Meer angespannt bleibt und die US-Notenbank an ihrem restriktiven Kurs festhält, dürfte der Silberpreis nach Einschätzung der zitierten Analysten in seiner bestehenden Abwärtsstruktur mit tieferen Hochs verharren. Ein nachhaltiger Bruch der Unterstützung bei 54,77 Dollar würde den Weg für weitere Verluste in Richtung der 50-Dollar-Marke ebnen.
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