Silber hinkt Gold gerade auffällig hinterher. Die sogenannte Gold-Silber-Ratio zeigt ein Bewertungssignal, das in der Vergangenheit oft eine Aufholphase des Industriemetalls einleitete. Jetzt blicken Anleger gebannt auf die kommende Fed-Sitzung.
Ratio deutlich über dem historischen Mittel
Gold beendete die vergangene Handelswoche bei rund 4.055 US-Dollar. Silber lag bei etwa 58,2 US-Dollar. Daraus ergibt sich eine Gold-Silber-Ratio von 69,7.
Der langfristige Durchschnitt dieser Kennzahl liegt bei 60. Silber zeigt damit gegenüber Gold ein gewisses Nachholpotenzial. Gold läuft in der aktuellen Phase einfach besser.
Die Ratio gibt an, wie viele Feinunzen Silber man für eine Feinunze Gold braucht. Je höher der Wert über dem Durchschnitt liegt, desto günstiger gilt Silber im Vergleich. Historisch ging dieses Muster oft Aufholphasen des Industriemetalls voraus.
Belastungsfaktoren bleiben bestehen
Der jüngste Rücksetzer hat die Stimmung unter Silber-Anlegern eingetrübt. Der Kurs fiel unter die Marke von 60 US-Dollar. Das hat die Lage kurzzeitig destabilisiert.
Silber trotzte dem Rücksetzer bislang aber recht robust. Die Hauptursachen für den Gegenwind liegen nicht allein bei geldpolitischen Erwartungen. Hohe Ölpreise, steigende Anleiherenditen und ein starker US-Dollar belasten aktuell die gesamte Edelmetall-Klasse — Gold und Platin eingeschlossen.
Diese Belastungsfaktoren haben zuletzt wieder an Gewicht gewonnen. Grund dafür ist die jüngste Eskalation der Ölpreise. Silber reagiert auf diese Kombination besonders empfindlich. Das Metall hat neben seiner monetären Funktion auch eine industrielle Seite und hängt damit stark von der Konjunktur ab.
Fed-Sitzung als nächster Katalysator
Am Mittwoch, den 29. Juli, gibt die US-Notenbank ihre Leitzinsentscheidung bekannt. Eine Zinsänderung würde überraschen. Die Fed dürfte die Zinsen unverändert lassen.
Die Entscheidung selbst birgt daher wenig Überraschungspotenzial. Die begleitende Kommunikation der Notenbank könnte den Kurs aber durchaus bewegen. Silber reagiert erfahrungsgemäß sensibel auf Kommentare und Kommuniqués der Fed.
Was die Ratio für Anleger bedeutet
Die relative Schwäche von Silber gegenüber Gold erklärt einen guten Teil der aktuellen Ratio-Ausweitung. Gold zeigte sich zuletzt stabiler. Silber geriet durch seine höhere Sensitivität gegenüber Zinserwartungen und Konjunktursorgen stärker unter Druck.
Fällt die Kommunikation der Notenbank am Mittwoch weniger restriktiv aus als befürchtet, könnte das Silber Auftrieb geben. Eine solche Entwicklung könnte zugleich die Ratio in Richtung ihres historischen Mittelwerts drücken. Bis dahin bleibt die Kombination aus hohen Ölpreisen, steigenden Anleiherenditen und starkem Dollar der bestimmende Belastungsfaktor für das Edelmetall.
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