Der Silbermarkt erlebt einen historischen Einbruch. Noch im Januar notierte das Edelmetall auf Rekordkurs. Jetzt hat sich der Preis nahezu halbiert. Starke US-Zinsen und diplomatische Entspannung entziehen dem Markt die entscheidenden Treiber.
Zinswende drückt den Kurs
Die Märkte reagieren sensibel auf die harte Linie der US-Notenbank. Unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh hat die Preisstabilität absolute Priorität. Das stärkt den US-Dollar enorm. Die Währung klettert aktuell auf ein Einjahreshoch.
Ein starker Dollar verteuert Silber für internationale Käufer. Die Folge: Das zinslose Edelmetall verliert massiv an Attraktivität. Im Mai lag die US-Inflation bei 4,2 Prozent. Marktteilnehmer rechnen für September daher fest mit einer weiteren Zinserhöhung.
Entspannung im Nahen Osten
Parallel dazu schwindet die geopolitische Risikoprämie. Mitte Juni schlossen die USA und der Iran ein vorläufiges Friedensabkommen. Seitdem hat sich die Lage in der Straße von Hormus deutlich beruhigt. Der Schiffsverkehr erreicht fast wieder Vorkrisenniveau.
Diese Entwicklung entzieht dem Silberpreis einen wichtigen Boden. Spekulanten lösen ihre Absicherungen rasch auf. Die Angst vor massiven Lieferunterbrechungen weicht spürbar aus dem Markt.
Industrie bremst die Nachfrage
Fundamental zeigt sich ein paradoxes Bild. Der Silbermarkt verzeichnet das sechste Defizit in Folge. Seit 2021 schrumpften die weltweiten Bestände um über 760 Millionen Unzen.
Aber die Industrie schwächelt spürbar. Der wichtige Solarstrom-Sektor orderte zuletzt 19 Prozent weniger Silber. Auch bei Schmuck und Silberwaren brechen die Aufträge massiv ein. Dieses gesunkene Industrieinteresse wiegt derzeit schwerer als das physische Marktdefizit.
Blick auf die Charttechnik
Technisch gesehen dominiert der Abwärtstrend das Geschehen. Der Relative-Stärke-Index signalisiert mit einem Wert von 27,5 einen stark überverkauften Markt. Dennoch bleiben die Risiken auf der Unterseite hoch.
Am Freitag rutschte die Feinunze zeitweise unter die Marke von 55,60 US-Dollar. Hält die wichtige Unterstützung bei 54,56 US-Dollar nicht, drohen weitere Verluste. Die nächste Hürde nach oben wartet erst in der Widerstandszone um 58 US-Dollar.
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