Dekadenhochs und ein massives Angebotsdefizit treiben den Silberpreis seit Monaten an. Am Donnerstag legt das Edelmetall eine Atempause ein. Zwei gewichtige Makro-Faktoren zwingen den Markt zur Neupositionierung: hartnäckige US-Inflationsdaten und der historische Trump-Xi-Gipfel in Peking.
Der Preis für eine Feinunze fällt am Donnerstag leicht auf gut 87 US-Dollar. Damit konsolidiert der Kurs auf hohem Niveau. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 22 Prozent auf der Anzeigetafel. Das fundamentale Umfeld bleibt extrem angespannt.
Zinsangst trifft auf Industrienachfrage
Frische US-Inflationsdaten belasten zinslose Anlagen wie Silber erheblich. Der Erzeugerpreisindex kletterte im April um sechs Prozent nach oben. Getrieben wird diese Entwicklung von steigenden Logistikkosten infolge der Konflikte im Nahen Osten. Am Markt findet ein radikales Umdenken statt.
Investoren preisen Zinssenkungen für das laufende Jahr inzwischen vollständig aus. Händler sehen laut dem FedWatch-Tool sogar eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis zum Frühjahr 2027. Für das Edelmetall bedeutet dieses geldpolitische Szenario starken Gegenwind.
Pekings Einfluss auf den Silbermarkt
Parallel dazu blickt der Markt nach Asien. In Peking eröffnen Donald Trump und Xi Jinping einen zweitägigen Gipfel. Neben Sicherheitspolitik und künstlicher Intelligenz stehen Zölle und Seltene Erden auf der Agenda. Für Silber ist der Ausgang der Gespräche elementar.
Die Volksrepublik dominiert das physische Geschäft als weltgrößter Produzent und zentraler Abnehmer für die Solar- und Elektronikindustrie. Erste Einigungen im Bereich der Energieversorgung zeichnen sich ab. Beide Staatschefs fordern eine offene Straße von Hormuz, während China mehr amerikanisches Öl abnehmen will. Sinkende Energiepreise könnten den globalen Inflationsdruck dämpfen und der US-Notenbank wieder Spielraum verschaffen.
Strukturelles Defizit stützt
Unabhängig von kurzfristigen geopolitischen Impulsen bleibt das Fundament massiv. Der Silbermarkt steuert auf das fünfte Defizitjahr in Folge zu. In der laufenden Marktperiode bis 2026 summiert sich der Fehlbetrag auf voraussichtlich 820 Millionen Unzen.
Der Ausbau von Solaranlagen, Elektroautos und KI-Rechenzentren treibt die Nachfrage unerbittlich an. Solange diese strukturelle Lücke besteht, sind tiefe Preiskorrekturen schwer vorstellbar. Kurzfristig entscheidet der Ausgang der amerikanisch-chinesischen Gespräche in Peking, ob neue industrielle Kaufaufträge aus Asien den aktuellen Zinsdruck kompensieren können.
