Juli 2026 unter die psychologisch wichtige Marke von 60 US-Dollar gefallen und markierte im Wochenverlauf ein Tief von 55,82 Dollar. Zum Wochenschluss stand ein Kurs von 56,22 US-Dollar zu Buche, ein Minus von 6,70 Prozent auf Wochensicht. Auslöser der Verkaufswelle ist die eskalierende Lage im Nahen Osten in Kombination mit einem kräftigen Ölpreisanstieg und wachsenden Zinssorgen.
Eskalation im Nahen Osten treibt Ölpreise und belastet Edelmetalle
Die US-Luftwaffe griff nach Angaben von dpa-AFX in der achten aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran an. Zwei US-Soldaten kamen bei einem iranischen Vergeltungsangriff auf die jordanische Küstenstadt Akaba ums Leben – die ersten toten US-Soldaten seit Beginn der Kampfhandlungen. Iran antwortete zudem mit Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait; laut Angaben der iranischen Revolutionsgarden wurden rund 30 Drohnen über Ahvaz abgeschossen. Die Vermittler Pakistan und die Vereinigten Arabischen Emirate drängen auf Deeskalation, ein zuvor vereinbartes Rahmenabkommen gilt nach diesen Ereignissen als hinfällig.
Die Folge an den Rohstoffmärkten: Der Ölpreis kletterte laut Berichten von The Times of India und The Hindu BusinessLine binnen Wochenfrist um mehr als 14 Prozent auf ein 19-Wochen-Hoch, da die Straße von Hormus als möglicher Konfliktherd gilt. Steigende Energiepreise nähren Inflationssorgen und stützen zugleich den US-Dollar – eine Kombination, die Edelmetalle unter Druck setzt. Verschärft wird der Effekt durch den als geldpolitisch restriktiv eingeschätzten Kurs von Fed-Vorsitzendem Warsh, der laut übereinstimmenden Berichten die Markterwartungen auf eine straffere Geldpolitik verschoben hat.
Strukturelles Defizit trifft auf institutionelle Verkäufe
Paradox mutet an, dass der Silbermarkt laut mehreren Analysen bereits im fünften bis sechsten Jahr in Folge ein strukturelles Angebotsdefizit verzeichnet – seit 2021 wurden demnach mehr als 700 Millionen Unzen aus den Lagerbeständen abgezogen. Die industrielle Nachfrage aus Solar- und Elektroniksektor gilt Analysten zufolge weiterhin als intakt, auch wenn einzelne Prognosen für 2026 einen leichten Rückgang der industriellen Nachfrage auf rund 640 Millionen Unzen erwarten.
Dennoch trennen sich Investoren aktuell von ihren Positionen: Der Vermögensverwalter Crescent Grove reduzierte seinen Bestand am börsengehandelten Fonds iShares Silver Trust im ersten Quartal 2026 um 65 Prozent. Solche Verkäufe institutioneller Anleger verstärken kurzfristig den Abwärtsdruck, obwohl das fundamentale Defizit unverändert fortbesteht.
Charttechnik: Überverkaufte Signale, aber Abwärtsrisiko bleibt
Auf der technischen Seite notiert der Relative-Stärke-Index bei 34,6 Punkten und nähert sich damit der als überverkauft geltenden Zone. Analysten sehen dennoch kurzfristiges Abwärtsrisiko bis in eine Unterstützungszone zwischen 40 und 50 Dollar, sollten sich die geopolitischen Spannungen weiter zuspitzen. Mittelfristig rechnen dieselben Einschätzungen jedoch mit einer möglichen Erholung bis auf 72 Dollar, sobald sich die Lage beruhigt. Ambitioniertere Prognosen für das laufende Jahr nennen sogar eine Preisspanne von 75 bis 85 Dollar im Basisszenario, in einem optimistischen Bull-Case wird eine Marke von 100 Dollar für möglich gehalten.
Kurzfristig dürfte die Richtung des Silberpreises jedoch weniger von langfristigen Angebotsdaten als vom Fortgang des Konflikts zwischen den USA und Iran abhängen. Solange sich die Lage in der Golfregion nicht entspannt, bleibt der Ölpreis der dominierende Taktgeber für Edelmetalle – und damit auch für Silber.
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