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Silber Preis: 65,80 Dollar nach 70-Prozent-Rally

Silber überwindet die 65-Dollar-Marke dank schwachem Dollar und sinkender Zinserwartungen. Die Nachfrage aus Chinas Solarindustrie und ein knappes Angebot stützen den Preis zusätzlich.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Silberpreis überwindet 65-Dollar-Marke
  • Schwacher Dollar und Zinshoffnungen treiben Rally
  • Chinas Solarindustrie erhöht Silbernachfrage
  • Fed-Protokoll könnte weitere Impulse liefern

Der Silberpreis hat am heutigen Montag die Marke von 65 Dollar je Feinunze überwunden und markiert damit einen neuen Hochpunkt in einer bemerkenswerten Jahresbewegung. Am Vormittag kletterte der Kurs um rund 1,7 Prozent auf 65,80 Dollar, nachdem er bereits am Wochenende über 65 Dollar gehandelt hatte. Auf Sicht von zwölf Monaten summiert sich der Anstieg auf rund 70 Prozent.

Zwei Kräfte treiben die Rally zugleich an: ein schwächerer US-Dollar und schwindende Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve. Der US-Dollar-Index notiert unter der Marke von 100 und nähert sich seinem Monatstief.

Gleichzeitig zeigen die jüngsten US-Konjunkturdaten Schwäche: Die Einzelhandelsumsätze fielen im Juli um 0,6 Prozent und verfehlten damit die Erwartungen deutlich. Die Verbraucherpreise legten im Juli um 3,4 Prozent zum Vorjahr zu, die Kernrate lag bei 2,5 Prozent – Werte, die den Inflationsdruck als nachlassend erscheinen lassen.

Fed-Protokoll rückt in den Fokus

Am Markt wird derzeit mit rund 64 bis 70 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinspause der Fed im September eingepreist, deutlich mehr als noch vor einem Monat. Für Silber und Gold ist das ein klassisches Unterstützungsargument, da niedrigere Realzinsen die Attraktivität zinsloser Edelmetalle erhöhen.

Anleger richten den Blick nun auf das Protokoll der Juli-Sitzung der Fed, das für Mittwoch erwartet wird und weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs liefern soll.

Parallel dazu sorgt die industrielle Nachfrage aus China für zusätzlichen Rückenwind. Der chinesische Solarsektor hat laut Bloomberg im März Silberimporte in Rekordhöhe von 836 Tonnen verzeichnet, im ersten Quartal summierten sich die Einfuhren auf 1.626 Tonnen. Diese physische Nachfrage aus der Photovoltaikindustrie trifft auf ein Angebot, das seit Jahren strukturell zu knapp ausfällt: Das Silver Institute beziffert das globale Angebotsdefizit für 2025 auf 95 Millionen Unzen – bereits das fünfte beziehungsweise sechste Jahr in Folge mit einer Unterversorgung des Marktes.

Charttechnik zeigt Widerstand bei 66 Dollar

Technisch betrachtet trifft der Silberpreis nun auf den 100-Tage-EMA bei 66,33 Dollar, der als nächster Widerstand gilt. Gelingt der Ausbruch, rücken laut Markteinschätzungen Ziele bei 67,93 und darüber hinaus 72,02 Dollar in Reichweite.

Auf der Unterseite verläuft eine erste Unterstützung bei 62,87 Dollar, dem 23,6-Prozent-Fibonacci-Niveau. Der Relative-Stärke-Index liegt bei rund 61 Punkten, der MACD zeigt ein positives Signal – beides spricht für eine noch nicht überhitzte Aufwärtsbewegung.

Die Gold-Silber-Ratio, also das Verhältnis der beiden Edelmetallpreise zueinander, bewegt sich derzeit im Bereich von 67 bis 70. Das Verhältnis liegt damit historisch nicht extrem, gibt aber einen Hinweis darauf, dass Silber im Vergleich zu Gold noch Aufholpotenzial haben könnte, sollte sich das Muster früherer Zyklen wiederholen.

Volatilität als ständiger Begleiter

Die diesjährige Silber-Historie ist allerdings auch eine Geschichte heftiger Ausschläge. Nach einem Allzeithoch von rund 122 Dollar im Januar erlebte der Markt binnen eines Tages einen Einbruch von 28 Prozent.

Im Mai sorgte eine von Peru ausgerufene Energie-Notlage, die die dortige Silberproduktion bedroht, zunächst für einen Sprung auf zeitweise 87 bis 88 Dollar, ehe der Kurs wieder auf rund 85 Dollar zurückfiel. Kurz darauf kam es zu einem Rückschlag um mehr als 9 Prozent, ausgelöst durch über den Erwartungen liegende US-Inflationsdaten und steigende Anleiherenditen.

Die UBS hatte ihr Silberziel für das Jahresende zwischischenzeitlich von 85 auf 80 Dollar gesenkt, HSBC rechnet im Jahresdurchschnitt mit 75 Dollar und zum Jahresende mit 70 Dollar. Angesichts der jüngsten Erholung über 65 Dollar dürfte sich die Debatte über die Nachhaltigkeit der Rally in den kommenden Wochen weiter zuspitzen – insbesondere dann, wenn die Fed am Mittwoch mit ihrem Sitzungsprotokoll neue Signale zur Zinspolitik liefert.

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Diskussion zu Silber Preis

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

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