Silber fällt weiter – und das, obwohl der Markt seit Jahren mehr Silber verbraucht als produziert. Der Rohstoff schloss am Freitag bei 56,22 US-Dollar je Feinunze. Das liegt 53,84 Prozent unter dem Rekordhoch vom Januar. Die fundamentale Lage bleibt trotzdem angespannt: Angebot und Nachfrage klaffen weiter auseinander.
Sechstes Jahr in Folge zu wenig Silber
Seit sechs Jahren übersteigt die Nachfrage nach Silber das Angebot. Im vergangenen Jahr fehlten dem Markt 46,3 Millionen Unzen. Der industrielle Sektor treibt diese Lücke: Er macht rund 58 Prozent der gesamten Nachfrage aus.
Solarmodule, Elektronik und Elektrofahrzeuge brauchen das Metall in wachsenden Mengen. Silber gilt als kritischer Rohstoff für diese Zukunftstechnologien. Die aktuelle Preiskorrektur ändert daran wenig, sagen Marktbeobachter. Sie verändert den Wert – nicht aber die fundamentale Stärke des Marktes.
Zinssorgen und starker Dollar bremsen den Preis
Die jüngste Talfahrt hat vor allem einen Grund: die Geldpolitik der US-Notenbank. Anleger rechnen damit, dass die Fed die Zinsen länger hoch hält als gedacht. Das setzt unverzinste Anlagen wie Silber unter Druck.
Hinzu kommt ein starker US-Dollar. Investoren suchen in unsicheren Zeiten oft den Dollar als sicheren Hafen. Das verteuert Silber zusätzlich für Käufer mit anderen Währungen.
Inflationssorgen verschärfen die Lage paradoxerweise. Steigende Inflation erhöht die Wahrscheinlichkeit einer strafferen Geldpolitik. Das wiederum belastet den Silberpreis weiter. Technisch gilt das Metall inzwischen als überverkauft: Der RSI liegt bei 34,6 Punkten.
Fed-Termine entscheiden über die nächsten Wochen
Die kommende Woche bringt wichtige Termine für den Silberpreis. Fed-Chef Kevin Warsh tritt vor dem Kongress auf. Dazu veröffentlicht die Statistikbehörde die US-Inflationsdaten für Juni.
Am 28. und 29. Juli tagt der Offenmarktausschuss der Fed erneut. Diese Sitzung gilt als entscheidend für die Preisentwicklung in der zweiten Julihälfte. Eine „Hold“-Entscheidung könnte den Druck durch reale Renditen mindern. Eine weitere Zinserhöhung würde ihn dagegen verstärken.
Bis dahin bleibt der Markt zwischen zwei Kräften gefangen. Solide Fundamentaldaten stehen einer restriktiven Zinspolitik gegenüber. Die Sitzung Ende Juli dürfte zeigen, welche Seite kurzfristig die Oberhand behält.
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