Silber verliert zum Wochenschluss an Schwung, obwohl der physische Markt weiter angespannt wirkt. Der Kernkonflikt ist klar: Makro-Entspannung drückt die Risikoprämie, während Lieferdaten an der COMEX nicht nach Entwarnung aussehen. Genau diese Kluft hält das Edelmetall für die neue Woche interessant.
Am Freitag schloss Silber bei 75,83 US-Dollar je Feinunze und verlor am Tag 0,50 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Minus von 0,49 Prozent, während der Monatsvergleich mit 5,95 Prozent weiter positiv bleibt.
Deeskalation nimmt Silber Rückenwind
Belastend wirkt vor allem die Aussicht auf eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran. Im Raum steht eine Verlängerung des bestehenden Waffenstillstands um 60 Tage. Damit sinkt ein Teil jener geopolitischen Risikoprämie, die Edelmetalle in angespannten Phasen häufig stützt.
Das erklärt die jüngsten Gewinnmitnahmen. Silber liegt inzwischen 35,13 Prozent unter dem Hoch von 116,89 US-Dollar, das am 28. Januar erreicht wurde. Der Rückgang zeigt, wie stark der Markt zuvor auf Schutzsuche und Spekulation gesetzt hatte.
Robuste US-Wirtschaftsdaten verstärken den Druck. Ein fester Dollar und höhere Renditeerwartungen sind für Silber meist ungünstig, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft. Damit rückt die Geldpolitik wieder stärker in den Vordergrund.
COMEX-Daten senden ein anderes Signal
Am Terminmarkt zeigt sich ein anderes Bild. An der COMEX wurden zuletzt über 22 Millionen Unzen physisches Silber zur Auslieferung angefordert. Das ist ein Hinweis darauf, dass die reale Verfügbarkeit des Metalls weiter knapp bleibt.
Damit läuft der physische Markt nicht im Gleichklang mit dem Papierpreis. Während Makrofaktoren kurzfristig belasten, bleiben die registrierten Lagerbestände im historischen Vergleich niedrig. Diese Divergenz kann die Schwankungen verschärfen, sobald Lieferengpässe wieder stärker eingepreist werden.
Auch technisch wirkt der Markt nicht eindeutig angeschlagen. Der Schlusskurs liegt nur 0,35 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,09 US-Dollar. Der RSI von 58,9 signalisiert keine extreme Überhitzung, die 30-Tage-Volatilität bleibt mit 55,53 Prozent allerdings hoch.
US-Daten setzen den nächsten Impuls
Die neue Handelswoche dürfte stark vom US-Arbeitsmarktbericht am 5. Juni geprägt werden. Er liefert einen wichtigen Baustein für die Fed-Sitzung am 16. Juni. Nach dem jüngsten Anstieg des PCE-Preisindex auf 3,8 Prozent hat der Markt weniger Spielraum für schnelle Zinssenkungen eingepreist.
Ein starker Arbeitsmarkt könnte den Dollar weiter stützen und Silber erneut unter Druck bringen. Auf der Unterseite bleibt die Zone zwischen 70,00 und 72,00 US-Dollar wichtig, weil sie den Kurs in den vergangenen Monaten mehrfach stabilisiert hat. Hält dieser Bereich, bleibt die Konsolidierung geordnet; ein Bruch würde das technische Bild deutlich eintrüben.
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