Während der Ölpreis wegen der eskalierenden Lage im Nahen Osten durch die Decke schießt, zeigt sich der Silberpreis überraschend widerstandsfähig. Am 20. Juli notierte das Edelmetall bei rund 56,80 bis 56,95 US-Dollar je Feinunze und damit den zweiten Handelstag in Folge im Plus – trotz wachsender Wetten auf eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Fed.
Ölpreis und Nahost-Eskalation treiben den Kurs
Auslöser der Marktbewegung ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der sich zunehmend ausweitet. Laut Tagesspiegel griffen die USA in der neunten aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran an, während Teheran mit Raketenangriffen auf Bahrain, Kuwait, Jordanien und den Irak reagierte. Nach Angaben des Handelsblatts kamen bislang 17 US-Soldaten ums Leben, die USA verlegten zusätzlich Kampfjets vom Typ F-16 und F-35 sowie Tankflugzeuge in die Region. Reuters berichtete zudem von einem brennenden Schiff in der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft. Die britische Meeressicherheitsbehörde UKMTO rief zur Vorsicht auf. Der Ölpreis reagierte mit einem Sprung der Sorte Brent über 90 US-Dollar, was Inflationssorgen neu befeuert.
Gold gibt nach, Silber hält sich besser
Gerade diese Inflationsangst und die damit verbundenen Zinserwartungen sorgen für ein ungewöhnliches Bild bei den Edelmetallen. Während Gold laut Reuters am 20. Juli um 0,1 Prozent auf 4.014,53 US-Dollar nachgab, legte Silber im selben Zeitraum um 1,9 Prozent auf 56,95 US-Dollar zu. Grund ist die Erwartung, dass die Fed angesichts steigender Energiepreise die Zinsen anheben statt senken könnte – ein Umfeld, das Gold als klassischen Zinssicherungshafen belastet, während Silber von seiner industriellen Nachfragekomponente profitiert. Fed-Vertreterin Hammack äußerte sich zuletzt betont zinserhöhungsfreundlich, was der Markt laut Reuters in eine auf 82 Prozent gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine Dezember-Zinserhöhung übersetzte, verglichen mit 73 Prozent in der Vorwoche. Das Verhältnis von Gold zu Silber lag zuletzt bei etwa 48 zu 1 – ein Hinweis darauf, dass Silber im Vergleich zum großen Bruder derzeit stärker gefragt ist.
Nach dem Rekordabsturz bleibt Silber technisch angeschlagen
Der aktuelle Kursanstieg täuscht nicht darüber hinweg, dass Silber tief in der Verlustzone steckt. Nach einem Rekordhoch von über 121 US-Dollar im Jahresverlauf war der Preis zeitweise bis auf rund 55 US-Dollar eingebrochen und bewegt sich damit weiterhin in der Nähe eines Acht-Monats-Tiefs. Charttechnisch gilt die Marke von 57,50 US-Dollar als nächster Widerstand, während sich Unterstützungen bei 56,00, 54,50 und 53,00 US-Dollar anschließen. Analyst Hyerczyk sieht die laufende Kurskorrektur noch nicht als abgeschlossen an. Auch strukturell bleibt der Markt angespannt: Sinkende US-Realrenditen und eine anhaltend hohe industrielle Nachfrage aus dem Bereich erneuerbare Energien wirken einem echten Defizit im Silbermarkt entgegen, das Analysten weiterhin als strukturell bezeichnen.
Minenbetreiber Endeavour Silver meldet Produktionssprung
Auf Unternehmensseite sorgte Endeavour Silver Corp für positive Nachrichten. Der Produzent meldete eine Produktion von 3,4 Millionen Unzen Silberäquivalent, getragen von den Projekten Terronera und Kolpa. Die Aktie des Unternehmens notierte zuletzt bei 7,41 US-Dollar. Die Analysten von HSBC merkten an, jüngste Kurskorrekturen bei Edelmetalltiteln könnten bereits einen restriktiveren Kurs der Fed vorwegnehmen – ein Hinweis darauf, dass ein Großteil der Zinssorgen im Markt bereits eingepreist sein könnte.
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