Am physischen Markt fehlt Silber an allen Ecken und Enden. Dennoch steht der Preis aktuell massiv unter Druck. Ein überraschend starker US-Arbeitsmarkt hat die Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen vorerst komplett zunichtegemacht. Nun warten Händler nervös auf die neuen US-Inflationsdaten.
Zinsangst statt Zinswende
Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht für Mai lieferte einen echten Paukenschlag. Statt der erwarteten 85.000 neuen Stellen entstanden 172.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Diese unerwartet robuste Verfassung der amerikanischen Wirtschaft dämpft die Erwartungen an eine baldige Zinswende erheblich. Im Gegenteil. Spekulanten wetten am Markt sogar auf eine mögliche Zinsanhebung bis zum Jahresende.
Analysten rechnen bei den anstehenden Inflationsdaten mit einer Teuerungsrate von 4,2 Prozent. Im April lag dieser Wert noch bei 3,8 Prozent. Ein solcher Anstieg würde die harte Linie der US-Notenbank bestätigen und den Handlungsspielraum der Währungshüter stark einschränken. Steigende Realrenditen von Staatsanleihen mindern dann unweigerlich die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls.
Defizit trifft auf Sparzwang
Abseits der Zinspolitik bleibt die fundamentale Lage extrem angespannt. Das Silver Institute prognostiziert für 2026 das sechste Marktdefizit in Folge. Die weltweite Nachfrage übersteigt das Angebot voraussichtlich um 46 Millionen Unzen. Vor allem der massive Ausbau von Rechenzentren und neue Anwendungen in der Künstlichen Intelligenz treiben den Bedarf rasant nach oben.
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In der Photovoltaik-Branche zeigt sich ein anderes Bild. Hohe Preise zwingen Hersteller wie Longi Green Energy zum Sparen. Sie reduzieren den Silberanteil pro Solarzelle durch neue Technologien oder weichen teilweise auf Kupfer aus. Prognosen erwarten für 2026 einen Rückgang des solaren Silberverbrauchs um 19 Prozent. Das entspricht einem Restvolumen von 151 Millionen Unzen.
Technische Hürden im Fokus
Kurzfristig dominieren die US-Wirtschaftsdaten die Preisbildung. Der Silberpreis notiert aktuell deutlich unter seinem 20-Tage-Durchschnitt von 73,97 US-Dollar. Das deutet auf ein anhaltend schwaches Momentum hin. Die Marke von 65 US-Dollar gilt nun als kritische Unterstützungszone für das Edelmetall.
Fällt die US-Inflation höher aus als erwartet, dürften Leerverkäufer diese Bastion testen. Ein nachhaltiger Ausbruch über 70 US-Dollar signalisiert hingegen eine charttechnische Stabilisierung. Die nächste große Richtungsentscheidung fällt spätestens am 17. Juni. An diesem Tag verkündet die Federal Reserve ihre neuen Zinsbeschlüsse.
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