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Silber Preis: 17 Tonnen verkauft

Silber- und Gold-ETFs verzeichnen anhaltende Abflüsse. Geopolitische Krisen und Zinsängste drücken auf die Kurse, während Analysten ihre Prognosen senken.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • iShares Silver Trust verkauft erneut Silber
  • Goldbestand des SPDR Trust sinkt
  • Analysten senken Silberprognosen deutlich
  • Angebotsdefizit verringert sich langsam

Juli zum vierten Handelstag in Folge von physischem Metall. Verkauft wurden 17 Tonnen Silber, der Bestand des Fonds sank auf rund 14.850 Tonnen. Parallel gab auch der SPDR Gold Trust mehr als drei Tonnen Gold ab, sein Bestand liegt nun bei etwa 1.002 Tonnen. Die Investoren reagieren auf die Eskalation im Nahen Osten: Die USA setzten am 14. Juli ihre Luftangriffe auf Iran fort, Präsident Trump kündigte eine erneute Seeblockade der Straße von Hormus samt einer 20-prozentigen Frachtgebühr an. Iran griff im Gegenzug zwei Tanker der Vereinigten Arabischen Emirate an. Berichten zufolge starb dabei ein indischer Seemann, acht weitere Menschen wurden verletzt.

Nach dem Rekordjahr folgte der Rutsch

Silber durchlief 2026 eines der volatilsten Jahre seiner jüngeren Geschichte. Nach einem Rekordhoch im Januar setzte im Frühjahr eine scharfe Korrektur ein. Mitte Mai sorgte eine kurze, kräftige Rally für Aufsehen, ausgelöst durch die von Peru am 11. Mai ausgerufene Energiekrise, die die dortige Silberproduktion gefährdete. Wenige Handelstage später kippte die Stimmung erneut: Stärker als erwartete US-Inflationsdaten, der Wechsel an der Fed-Spitze zu Kevin Walsh und steigende Anleiherenditen in den USA, Großbritannien und Japan belasteten die Notierungen deutlich. Zusätzlich verschärfte Indien seine Einfuhrzölle auf Gold und Silber auf 15 Prozent, was die physische Nachfrage bremste. Auch der Perth Mint meldete für Juni einen Rückgang der Silberverkäufe um 19 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Signal für eine eingetrübte Privatanlegernachfrage.

Analysten kappen ihre Ziele

Mehrere Häuser senkten im Verlauf des Frühjahrs ihre Prognosen. UBS rechnet für das zweite und dritte Quartal 2026 mit 85 US-Dollar je Feinunze, zum Jahresende mit 80 Dollar und für das erste Quartal 2027 nur noch mit 75 Dollar. HSBC ist zurückhaltender: Die Bank erwartet für 2026 im Schnitt 75 Dollar und zum Jahresende 70 Dollar. Für 2027 sinkt die Prognose weiter auf durchschnittlich 68 Dollar, zum Jahresende auf 65 Dollar. Saxo Bank verlangt für eine Fortsetzung der Rally einen neuen Katalysator. BNP Paribas betont dagegen, die fundamentalen Treiber – Zentralbankkäufe, Entdollarisierung und Industrienachfrage – blieben mittel- bis langfristig intakt. Das Gold-Silber-Verhältnis, das im Mai unter die Marke von 55 gefallen war, gilt vielen Marktteilnehmern weiterhin als Gradmesser für die relative Stärke des Silbermarkts.

Angebot bleibt knapp – die Lücke schrumpft

Der World Silver Survey 2026 bestätigt für den Markt bereits das sechste Jahr in Folge ein Angebotsdefizit, mit einer gegenüber 2025 um 15 Prozent größeren Lücke. Andere Berechnungen zeigen zugleich, dass sich das Defizit von Jahr zu Jahr verringert: von 143 Millionen Unzen 2025 über 73 Millionen im laufenden Jahr auf voraussichtlich nur noch 25 Millionen Unzen 2027. Grund ist vor allem die nachlassende industrielle Nachfrage, die von 657 Millionen Unzen 2025 auf 642 Millionen 2026 und weiter auf 618 Millionen 2027 sinken soll. Auch die Schmucknachfrage bricht ein, von 189 Millionen Unzen 2025 auf 157 Millionen im laufenden Jahr.

Auf der Angebotsseite deutet sich zugleich etwas Entlastung an. Silver Mountain Resources will im dritten Quartal 2026 die peruanische Reliquias-Mine wieder in Betrieb nehmen, die seit 2017 stillliegt. Die Aufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 2.600 Tonnen pro Tag ist bereits zu 95 Prozent fertiggestellt. In Indien wiederum bremsen verschärfte Einfuhrbeschränkungen die physische Verfügbarkeit erheblich: Die Importe brachen im Mai auf 46,8 Tonnen ein, nach 534,3 Tonnen im Vorjahresmonat. Die Prämie auf physisches Silber kletterte in der Folge auf zehn Prozent.

Für die kurzfristige Richtung dürfte der Nahost-Konflikt entscheidend bleiben, insbesondere eine mögliche weitere Zuspitzung an der Straße von Hormus und die Reaktion der US-Notenbank auf die Inflationsdaten. Mittelfristig verweisen mehrere Häuser auf einen möglichen Boden im Bereich von 70 bis 75 Dollar je Feinunze, sofern das strukturelle Angebotsdefizit bestehen bleibt.

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