Der Silberpreis erlebt einen dramatischen Absturz. Seit dem Allzeithoch von rund 122 US-Dollar hat das Edelmetall fast die Hälfte seines Wertes verloren. Aktuell notiert die Unze bei 64,09 US-Dollar. Ein klares Paradoxon. Denn fundamental steuert der Markt auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu.
Solar-Bremse trifft auf Förderschwäche
Die Photovoltaik-Industrie reagiert auf die hohen Preise der Vergangenheit. Hersteller sparen das teure Edelmetall ein oder ersetzen es. Der solare Silberverbrauch sinkt im laufenden Jahr voraussichtlich um 19 Prozent auf 151 Millionen Unzen. Das klingt nach Entspannung für den Gesamtmarkt.
Die Realität sieht anders aus. Das strukturelle Defizit weitet sich sogar auf 46,3 Millionen Unzen aus. Die Ursache liegt bei den Minen. Das globale Angebot schrumpft um rund zwei Prozent. Silber fällt meist nur als Nebenprodukt bei der Kupfer- oder Zinkförderung an. Minenbetreiber können die Produktion daher kaum kurzfristig hochfahren.
Zinsangst und Nahost-Diplomatie drücken Kurse
Auf der Makro-Ebene weht Silber ein scharfer Gegenwind ins Gesicht. Die US-Inflation verharrt bei 4,2 Prozent. Mehrere Fed-Entscheider debattieren nun offen über neue Zinserhöhungen im zweiten Halbjahr. Das stärkt den US-Dollar und drückt zinslose Anlagen wie Edelmetalle massiv.
Parallel dazu entspannt sich die geopolitische Risikoprämie. Am Wochenende trafen sich US- und iranische Delegationen in der Schweiz. Die Vermittler meldeten wesentliche Fortschritte. Ein unterzeichnetes Memorandum sieht die sofortige Öffnung der Straße von Hormus vor. Israel fühlt sich an dieses Abkommen zwar nicht gebunden. Die akute Eskalationsgefahr im Nahen Osten sinkt vorerst trotzdem.
Physische Nachfrage als Boden
Der Preisverfall lockt nun langfristig orientierte Käufer an. Die westliche Investmentnachfrage nach physischem Silber zieht deutlich an. Experten erwarten einen Sprung auf 227 Millionen Unzen. Das markiert ein starkes Dreijahreshoch.
Besonders der Ausbau der Stromnetze stützt den Bedarf. Erneuerbare Energien, Ladesäulen und neue Rechenzentren benötigen enorme Mengen des Leitmetalls. Dieser strukturelle Hunger fängt den Nachfragerückgang aus der Solarindustrie teilweise auf.
Kurzfristig bleibt das Chartbild stark angeschlagen. Silber verlor allein in den vergangenen 30 Tagen fast 16 Prozent an Wert. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von 35,6 eine nahende überverkaufte Zone. Solange die US-Notenbank offene Zinsdebatten führt, fehlt der preisliche Aufwärtsdruck. Das anhaltende physische Defizit dürfte einen weiteren massiven Absturz jedoch begrenzen.
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