Siemens Healthineers sieht sich im laufenden Geschäftsjahr mit einer zweigeteilten Entwicklung konfrontiert. Während operative Herausforderungen in der Diagnostik-Sparte und eine schwache Nachfrage im chinesischen Markt die Umsatzerwartungen dämpfen, sorgen steuerliche Sondereffekte für einen Sprung beim Gewinn. Das Unternehmen reagierte Ende Juli mit einer Anpassung seiner Jahresprognose auf diese gegenläufigen Faktoren.
Diagnostik-Sparte und China-Geschäft unter Druck
Die zentrale Belastung für den Medizintechnikkonzern resultiert derzeit aus dem Diagnostikgeschäft. Laut Reuters ist hierfür unter anderem die Migration auf eine neue Laborplattform verantwortlich, die den operativen Ablauf beeinflusst.
Zusätzlich erschwert die konjunkturelle Lage in China das Wachstum. Siemens Healthineers verwies in diesem Zusammenhang auf den anhaltenden Druck durch nationale Beschaffungs- und Gesundheitsreformen, welche die Nachfrage dämpfen.
In der Folge senkte das Management die Prognose für das vergleichbare Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2025/26 auf eine Spanne von 3,5 % bis 4,0 %. Ein Rückblick auf die bisherige Performance verdeutlicht die Verlangsamung: Im zweiten Geschäftsquartal stiegen die Erlöse auf vergleichbarer Basis lediglich um knapp drei Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.
Sondereffekte stützen die Gewinnprognose
Trotz der reduzierten Umsatzerwartungen blickt das Unternehmen beim Ergebnis optimistischer in die Zukunft. Grund dafür sind signifikante Rückerstattungen von US-Zöllen, die das bereinigte EBIT im dritten Geschäftsquartal auf 1,1 Milliarden Euro hoben. Medienberichten zufolge plant der Konzern, auch künftig weitere Zollrückerstattungen zu beantragen.
Diese finanziellen Zuflüsse erlaubten es dem Vorstand, das Ziel für das bereinigte Ergebnis je Aktie anzuheben. Die neue Zielmarke liegt nun zwischen 2,35 und 2,45 Euro. Damit gelingt es Siemens Healthineers vorerst, die operative Schwäche in der Diagnostik durch Einmaleffekte auf der Ergebnisseite zu kompensieren.
Analysten bewerten die Perspektiven unterschiedlich
In der vergangenen Woche reagierten Expertenhäuser auf die gemischte Nachrichtenlage. Die DZ Bank beließ den Wert auf „Kaufen“. Demgegenüber steht eine neutralere Einschätzung von Berenberg.
Die Analysten dort bestätigten nach den als „durchwachsen“ bezeichneten Quartalsergebnissen ihre Einstufung auf „Hold“ und nannten ein Kursziel von 39 Euro. Am Mittwoch veröffentlichte das Unternehmen zudem eine ergänzende Kapitalmarktinformation, die jedoch keine weiteren wesentlichen Kennzahlen lieferte.
Strategisch setzt Siemens Healthineers weiterhin auf langfristige Kooperationen und personelle Erneuerung. Ende Juli startete das Unternehmen eine neue Partnerschaft mit Vanderbilt Health. Zudem bereitet sich der Konzern auf einen Wechsel im Management vor: Joao Seabra wurde zum President Americas ernannt und wird seine neue Funktion zum 1. Oktober übernehmen.
An der Börse spiegelt sich die aktuelle Gemengelage in einem volatilen Kursverlauf wider. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Minus von 13 %. Mit einem Schlusskurs von 39,10 € am gestrigen Donnerstag notiert das Papier fast exakt auf seinem 200-Tage-Durchschnitt, der Abstand zu diesem gleitenden Indikator liegt bei lediglich minus 0,2 %.
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