Siemens Healthineers kappt zum wiederholten Mal seine Wachstumsprognose – und die Börse zuckt kaum. Die Aktie sprang nach der Meldung zunächst auf ihr Tageshoch, pendelte dann lange um den Vortagesschluss und schloss erst kurz vor Handelsende rund ein Prozent im Minus bei 37,20 Euro. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren: Die Zahlen sind ein Mix aus schwachem Umsatz und überraschend starkem Gewinn.
Labordiagnostik und China bremsen weiter
Der Medizintechnikkonzern erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 nur noch ein vergleichbares Umsatzwachstum von 3,5 bis 4,0 Prozent, nachdem zuvor 4,5 bis 5,0 Prozent angepeilt waren. Verantwortlich ist erneut die Labordiagnostik-Sparte, die Healthineers ohnehin nicht mehr zum Kerngeschäft zählt und für eine mögliche Ausgliederung vorbereitet. Der Umsatz dort brach um 5,5 Prozent ein, in China sogar deutlich stärker, während ältere Analysesysteme sukzessive auslaufen.
Im dritten Quartal wuchs der Konzernumsatz vergleichbar nur um 2,8 Prozent auf rund 5,8 Milliarden Euro – Analysten hatten mit 4,5 Prozent gerechnet. Auch die größte Sparte, die Bildgebung, legte mit 2,3 Prozent moderat zu, weil sich Umsätze ins vierte Quartal verschoben. Finanzchef Jochen Schmitz stellte dort für den Jahresendspurt eine Beschleunigung auf hohes einstelliges Wachstum in Aussicht. Deutlich robuster präsentierte sich das Geschäft mit dem Krebsspezialisten Varian, das um 9,2 Prozent zulegte und damit weiterhin als Wachstumsmotor des Konzerns gilt.
Zollrückerstattung rettet die Gewinnseite
Während die Umsatzseite enttäuschte, hob Healthineers die Ergebnisprognose an. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll nun zwischen 2,35 und 2,45 Euro liegen, 15 Cent mehr als bisher. Grund ist eine Rückerstattung unrechtmäßig erhobener US-Zölle, die auch den Gewinn nach Steuern im dritten Quartal um gut ein Fünftel auf 676 Millionen Euro trieb. Die bereinigte EBIT-Marge kletterte auf 19,1 Prozent nach 16,8 Prozent im Vorjahr.
Positiv fiel zudem das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,27 aus – der Auftragseingang übertraf den Umsatz damit deutlich. Bernstein-Analystin Susannah Ludwig bemängelte zwar den gesenkten Ausblick, lobte aber den „sehr starken Auftragsbestand“ als Basis für eine Wachstumsbeschleunigung in den kommenden Quartalen. JPMorgan-Analyst David Adlington bestätigte seine Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 54,30 Euro und verwies darauf, dass Ebit und Ergebnis je Aktie im Rahmen beziehungsweise über den Erwartungen gelegen hätten.
Namensfrage bleibt offen
Konzernchef Bernd Montag äußerte sich zudem zur geplanten Abspaltung vom Mutterkonzern Siemens. Nach einer Übergangszeit könnte das Unternehmen künftig nur noch als „Healthineers“ auftreten, eine vollständige Umbenennung wie bei Siemens Energy sei aber nicht vorgesehen. Ob der Doppelname bestehen bleibt, sei Teil der laufenden Abspaltungsverhandlungen und solle bis zum Jahresende entschieden werden. Über die Ausgliederung der Labordiagnostik-Sparte selbst ist ebenfalls noch keine Entscheidung gefallen – Schmitz nannte nach einem möglichen Beschluss einen Umsetzungszeitraum von etwa 24 Monaten.
Für die Trennung von Siemens braucht es formal noch grünes Licht: Die Hauptversammlungen beider Unternehmen sollen im Februar 2027 darüber abstimmen. Montag zeigte sich zuversichtlich, dass der bisherige Zeitplan hält.
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