Gesenkter Jahresausblick, ein milliardenschwerer Diagnostics-Verkauf in der Schwebe und ein Refinanzierungsberg von bis zu 13,9 Milliarden Euro — Siemens Healthineers hat für die Goldman Sachs Healthcare Conference in Miami am 9. Juni reichlich Gesprächsstoff mitgebracht. Die Aktie notiert mit rund 35 Euro gut 25 Prozent unter dem Niveau vor zwölf Monaten.
Diagnostics bremst, Imaging trägt
Das Bild im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 ist zweigespalten. Das Imaging-Segment wuchs vergleichbar um 6,1 Prozent und erzielte eine bereinigte EBIT-Marge von 22,4 Prozent. Precision Therapy legte um 4,7 Prozent zu.
Diagnostics läuft in die andere Richtung. Der Umsatz sank vergleichbar um 6,5 Prozent, die bereinigte EBIT-Marge lag bei 0,9 Prozent. Ursache sind strukturelle Verschiebungen im chinesischen Markt. Das schlägt sich auch in der Jahresprognose nieder: Das vergleichbare Umsatzwachstum soll nun 4,5 bis 5,0 Prozent erreichen — nach zuvor 5 bis 6 Prozent. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird mit 2,20 bis 2,30 Euro angepeilt, statt der ursprünglich angepeilten bis zu 2,40 Euro.
Spin-off und die Refinanzierungsfrage
Hinter den operativen Zahlen wartet ein strukturelles Problem. Sobald die Siemens AG ihren 30-Prozent-Anteil an die eigenen Aktionäre ausschüttet, entfällt die Konzerngarantie für bestehende Kredite. Siemens Healthineers müsste dann bis zu 13,9 Milliarden Euro eigenständig refinanzieren — einen konkreten Plan hat das Management bislang nicht vorgelegt.
Moody’s bewertet den Konzern mit A3 bei stabilem Ausblick, was den Kapitalmarktzugang sichert. Barclays-Analysten schätzen die zusätzlichen Zinskosten allein für das laufende Jahr auf rund 74 Millionen Euro.
Parallel laufen Berichten zufolge Gespräche über einen Verkauf der Diagnostics-Sparte. Bloomberg zufolge sondierte das Unternehmen mit Private-Equity-Firmen wie Blackstone, CVC und KKR — bei einer Bewertung von über sechs Milliarden Euro. Eine Entscheidung steht noch aus.
Rückkauf und Führungswechsel
Seit dem 1. Juni läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 230 Millionen Euro. Bis zu 14 Millionen Aktien sollen bis Januar 2027 über Xetra erworben werden — primär für Vergütungsprogramme, nicht zur Einziehung.
An der Führungsspitze gibt es gleich drei Wechsel. Martin Stumpe, ehemaliger Google-Brain-Entwickler, übernimmt im Juni den Posten des Chief Technology Officer und soll die KI-Strategie vorantreiben. Andreas Schneck leitet seit dem 1. Juni den Bereich Diagnostic Imaging, Sonja Wehsely verantwortet ab sofort die EMEA-Region mit rund 30 Ländern.
Das Meinungsbild der Analysten spiegelt die Unsicherheit wider: Barclays steht auf „Overweight“, Jefferies auf „Buy“ — Goldman Sachs und Deutsche Bank halten sich mit „Neutral“ beziehungsweise „Hold“ zurück.
Ende Juli folgen die Q3-Zahlen. Dann zeigt sich, ob Diagnostics erste Stabilisierungszeichen liefert — und ob das Management bis dahin einen Refinanzierungsfahrplan vorlegen kann.
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