Der Abspaltungsplan klingt strukturell klar — das Finanzproblem dahinter ist es nicht. Siemens will seinen Aktionären auf der Hauptversammlung im Februar 2027 über den Spin-off von Siemens Healthineers abstimmen lassen. Das Kernproblem: Schulden von 13,9 Milliarden Euro, die aktuell noch die Mutter garantiert — und nach der Trennung auf eigenen Beinen stehen müssten.
Refinanzierung ohne konkreten Fahrplan
Das Management hat eine selbst gesetzte Frist verstreichen lassen, ohne Details zu Struktur und Zeitplan zu liefern. Der Markt quittiert das mit Skepsis. Seit dem 52-Wochen-Hoch von knapp 50 Euro im Juli 2025 hat die Aktie rund 23 Prozent verloren und notiert aktuell bei 38,26 Euro — deutlich unterhalb aller relevanten Durchschnittswerte. Immerhin: Vom Jahrestief Ende März hat sich der Kurs um rund sieben Prozent erholt.
Geplant ist, dass Siemens rund 30 Prozent der Healthineers-Anteile direkt an seine eigenen Aktionäre überträgt und damit die Mehrheit abgibt. Der Prozess nach dem deutschen Umwandlungsgesetz schreite voran, eine abschließende Bestätigung steht laut Unternehmen aber noch aus.
Operative Belastungen auf mehreren Fronten
Neben der Refinanzierungsfrage drückt das operative Umfeld. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz zwar um 3,8 Prozent, das bereinigte Ergebnis je Aktie fiel jedoch auf 0,49 Euro — ein Minus von drei Prozent. Die Diagnostiksparte schrumpfte, gebremst von einer chinesischen Anti-Korruptions-Kampagne, die die Beschaffung zentralisiert und den lokalen Absatz gedämpft hat.
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Neue US-Zölle dürften das bereinigte EBIT in diesem Jahr mit rund 400 Millionen Euro belasten. Negative Währungseffekte kommen mit bis zu 250 Millionen Euro obendrauf. Das Management hält dennoch an seiner Jahresprognose fest: vergleichbares Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie zwischen 2,20 und 2,40 Euro.
US-Expansion als Gegengewicht
Parallel baut Siemens Medical Solutions USA einen neuen Standort für Gesundheitstechnologie im Pellissippi Place Research Park in Tennessee. Die Anlage mit rund 88.500 Quadratfuß soll in zwei Phasen entstehen und in etwa 18 Monaten fertiggestellt sein. Das Signal: Investitionsbereitschaft trotz Gegenwind.
Den nächsten konkreten Prüfstein liefert der Quartalsbericht im Mai. Investoren erwarten dort nicht nur eine Strategie für das schwächelnde Diagnostikgeschäft, sondern vor allem Klarheit darüber, wie Healthineers die milliardenschwere Refinanzierung nach einem Spin-off stemmen will. Solange diese Frage offen bleibt, dürfte der Kursabstand zum 200-Tage-Durchschnitt von derzeit über 13 Prozent schwer aufzuholen sein.
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