Ausgangslage
Die Trennung von der Sparte Transformation of Industry ist beschlossene Sache, doch die eigentliche Wertfrage bleibt offen: Wer übernimmt das Geschäft, und zu welchem Preis? Nach Angaben von Bloomberg bereitet Siemens Energy zusammen mit Goldman Sachs die Veräußerung eines Mehrheitspakets am Dampfturbinen- und Industriegeschäft vor.
Als mögliche Bieter kursieren die Finanzinvestoren CVC, EQT, Bain, Brookfield und KKR. Die künftige Einheit soll den Namen Omterra tragen, die rechtliche und operative Trennung hat laut Berichten begonnen. Für Anleger zählt dieser Prozess jetzt, weil er direkt bestimmt, wie viel vom Konzernwert bei den bisherigen Aktionären verbleibt – und wie viel an neue Eigentümer abfließt.
Am Aktienmarkt zeigt sich bereits eine gewisse Nervosität: Das Papier notiert bei 149,20 Euro und damit ein Prozent leichter als am Vortag, nach einem Rückgang von 2,7 Prozent auf Wochensicht. Zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, erreicht im April, fehlen inzwischen 24 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 24 Prozent – die grundsätzliche Wachstumsstory bleibt also intakt, nur die Bewertung der Transaktion ist derzeit unklar.
Die entscheidende Frage
Im Kern geht es um die Bewertung von Omterra und die Größe der Minderheitsbeteiligung, die Siemens Energy behalten will. Die Sparte erzielte im vergangenen Geschäftsjahr laut Reuters 5,7 Milliarden Euro Umsatz, das Wall Street Journal nannte für das Geschäftsjahr 2025 6,66 Milliarden US-Dollar bei einer Marge von 11,3 Prozent.
Für das Geschäftsjahr 2026 rechnen Berichte mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent und einer Marge vor Sondereffekten von 11 bis 13 Prozent. Je höher der erzielte Verkaufspreis und je größer die verbleibende „meaningful minority stake“, desto stärker profitiert der Rest-Konzern von einem möglichen Exit der Finanzinvestoren zu einem späteren Zeitpunkt.
Fällt der Preis niedrig aus oder bleibt Siemens Energy nur eine symbolische Beteiligung, verpufft ein Teil des erhofften Bewertungsvorteils der reinen Strom- und Netzsparte.
Bullisches Szenario
Gelingt ein Verkauf mit mehreren konkurrierenden Bietern, könnte der Wettbewerb den Preis für Omterra treiben – ein klassischer Auktionseffekt, den ein Feld aus fünf potenziellen Käufern begünstigt. Ein hoher Erlös würde die Bilanz stärken und Mittel für den Ausbau des margenstärkeren Netz- und Stromgeschäfts freisetzen, auf das sich der Konzern künftig fokussieren will.
Mehrere Analysehäuser sehen entsprechendes Potenzial: Am 26. August bestätigte JPMorgan die Einschätzung „Overweight“ mit einem Kursziel von 245 Euro, Jefferies bekräftigte „Buy“ mit 215 Euro. Beide Ziele liegen deutlich über dem aktuellen Kursniveau und unterstellen, dass die Bereinigung um die Industriesparte den verbleibenden Konzern strukturell aufwertet.
Bärisches Szenario
Der Bieterprozess kann sich jedoch verzögern oder zu einem enttäuschenden Ergebnis führen. Bewertungsverhandlungen mit Finanzinvestoren sind komplex, insbesondere wenn die künftige Eigentümerstruktur – Mehrheitsverkauf, spätere Kapitalmarkttransaktion oder Mischform – noch nicht final entschieden ist.
Sollte der erzielte Preis unter den Erwartungen liegen oder sich die Transaktion über Monate hinziehen, dürfte das die derzeitige Skepsis am Markt bestätigen: Der Kurs liegt bereits 3,6 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 154,70 Euro, ein Zeichen nachlassender kurzfristiger Dynamik.
Auch RBC senkte am 26. August sein Kursziel von 210 auf 200 Euro, blieb bei „Outperform“ – ein Hinweis, dass selbst optimistische Häuser die Bewertung der Transaktion vorsichtiger kalkulieren als noch vor Wochen.
Ausblick
Solange sich mehrere ernsthafte Bieter um Omterra bemühen und Siemens Energy eine substanzielle Minderheitsbeteiligung sichert, bleibt das strukturelle Aufwertungsargument für die verbleibende Netz- und Stromsparte intakt – gestützt durch Kursziele von Deutsche Bank Research (210 Euro, „Buy“, 26. August) und Bernstein (210 Euro, „Outperform“, 21. August).
Kippt der Prozess jedoch, etwa durch einen niedrigeren Verkaufspreis, ausbleibende Bieter oder eine über Monate offene Eigentümerfrage, dürfte die aktuelle Konsolidierung unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts anhalten.
Der nächste konkrete Prüfstein liegt in den kommenden Monaten, wenn sich zeigen muss, welche der genannten Investoren tatsächlich verbindliche Angebote für die neue Einheit vorlegen und wie hoch die von Siemens Energy angestrebte Restbeteiligung tatsächlich ausfällt.
Siemens Energy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Siemens Energy-Analyse vom 28. August liefert die Antwort:
Die neusten Siemens Energy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Siemens Energy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Siemens Energy: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
