Bei Siemens Energy bahnt sich eine größere Portfolio-Bereinigung an. Das Unternehmen prüft den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an seiner Dampfturbinen-Sparte „Transformation of Industry“, wie Ende August bekannt wurde. Mehrere internationale Finanzinvestoren haben bereits Interesse bekundet.
Fünf Investoren im Rennen
Nach Angaben von Bloomberg zählen CVC, EQT, Bain, Brookfield und KKR zu den Bietern, die sich für die Sparte interessieren. Goldman Sachs begleitet den Verkaufsprozess auf Seiten von Siemens Energy. Die Bewertung der Dampfturbinen-Sparte soll dabei die Marke von 10 Milliarden Euro übersteigen, wie Anfang August berichtet wurde.
Ein Zuschlag in dieser Größenordnung würde Siemens Energy erheblichen finanziellen Spielraum verschaffen und zugleich den Fokus des Unternehmens auf Wachstumsfelder wie Energienetze und Windkraft schärfen.
Für die Siemens AG als Mutterkonzern hat die Entwicklung bei der Tochtergesellschaft indirekte Bedeutung. Siemens Energy wurde 2020 abgespalten, die Beteiligungsstruktur bleibt jedoch für die Bewertung des Gesamtkonzerns relevant. Ein erfolgreicher Verkauf der Dampfturbinen-Sparte würde die strategische Neuausrichtung der Energiesparte untermauern, die sich zunehmend auf die Elektrifizierung und den Ausbau der Netzinfrastruktur konzentriert.
Konzernstruktur bleibt in Bewegung
Der Blick auf die Dampfturbinen-Sparte reiht sich ein in eine Phase, in der sich die Siemens-Konzernstruktur insgesamt neu sortiert. Die Aktionäre sollen bei der ordentlichen Hauptversammlung im Februar 2027 über die Abspaltung von 30 Prozent der Siemens-Healthineers-Anteile abstimmen, wie im April angekündigt wurde. Die steuerliche Klärung dieser Transaktion ist bereits abgeschlossen.
Auch im operativen Geschäft der Siemens AG bleibt Bewegung: Das Rechenzentrums-Geschäft hat sich in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres beim Auftragseingang mehr als verdoppelt und liegt bei 6 Milliarden Euro. Investitionen in neue US-Werke und eine erweiterte Partnerschaft mit NVIDIA im Bereich Industrial AI unterstreichen den Kurs, den der Konzern in Richtung KI-getriebener Industrieautomatisierung eingeschlagen hat.
Kurs unter Druck, fundamentale Basis intakt
An der Börse zeigt sich das Papier zuletzt verhalten. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 271,45 Euro, nach einem Rückgang von 4,6 Prozent auf Wochensicht. Damit notiert die Aktie knapp unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 276,81 Euro, bleibt aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 252,93 Euro – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Schwäche intakt ist.
Für Anleger dürfte der Verkaufsprozess bei Siemens Energy in den kommenden Wochen im Fokus bleiben. Sollte einer der fünf genannten Finanzinvestoren den Zuschlag erhalten, wäre dies ein weiteres Signal für die anhaltende Neuausrichtung des gesamten Siemens-Konzerns, der mit der Healthineers-Abspaltung und dem Fokus auf Rechenzentren und Industrial AI ohnehin in einem tiefgreifenden Umbau steckt.
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