Siemens Energy steigt am Montag um 4,26 Prozent und notiert bei 154,04 Euro, nachdem die Aktie am Freitag noch bei 147,74 Euro geschlossen hatte. Auslöser sind mehrere positive Nachrichten binnen kurzer Zeit: eine weitere Kurszielanhebung von UBS, der Fortgang des laufenden Aktienrückkaufs sowie eine Serie von Analystenkommentaren, die sich mit der Zukunft des Gasturbinengeschäfts befassen.
Aktienrückkauf läuft weiter, UBS sieht mehr Potenzial
UBS hebt das Kursziel für Siemens Energy von 175 auf 210 Euro an und bestätigt die Einstufung „Buy“. Analyst Christopher Leonard begründet den Schritt damit, dass die Auftragseingänge im Gas-Geschäft im laufenden Geschäftsjahr 2026 ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben dürften. Parallel dazu treibt Siemens Energy sein Aktienrückkaufprogramm voran: Zwischen dem 13. und 19. Juli erwarb der Konzern 715.450 eigene Aktien. Seit dem Start der zweiten Tranche am 4. Juni summiert sich das Rückkaufvolumen damit auf 3.934.455 Stück.
Analysten uneins über Gasturbinen-Boom
Die Einschätzungen der Investmentbanken zum Energietechnikkonzern fallen unterschiedlich aus, auch wenn die Kursziele mehrheitlich nach oben zeigen. JPMorgan bestätigt seine Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 235 Euro und verweist auf den positiven Margeneffekt durch den Wegfall künftiger Lizenzgebühren. Jefferies bekräftigt „Buy“ mit einem Ziel von 215 Euro und begründet dies mit der hohen Nachfrage nach Energietechnik infolge von Hitzewellen und dem Ausbau von KI-Rechenzentren in den USA. RBC Capital Markets erhöht das Kursziel von 200 auf 210 Euro und bleibt bei „Outperform“.
Skeptischer äußert sich Barclays: Die britische Bank stuft die Aktie von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab, hebt das Kursziel aber gleichzeitig von 110 auf 130 Euro an. Analyst Vlad Sergievskii warnt vor einem möglichen zyklischen Höhepunkt im Gasturbinengeschäft – ein Kontrapunkt zur optimistischeren UBS-Einschätzung zum selben Thema.
Rating-Anhebung und neue Aufträge stützen operative Story
Auch auf der Bonitätsseite gibt es Rückenwind: S&P Global Ratings hebt das langfristige Emittentenrating von „BBB-“ auf „BBB+“ an und begründet dies mit der verbesserten operativen Profitabilität und einer positiven Cashflow-Entwicklung. Auf der Auftragsseite meldet Siemens Energy einen Großauftrag aus dem Oman: Der Konzern liefert sechs Gasturbinen der F-Klasse sowie sechs Generatoren für zwei Kraftwerke in Misfah und Duqm mit einer geplanten Gesamtkapazität von 2,6 Gigawatt. Zusätzlich vereinbaren die Parteien Serviceverträge über 20 Jahre.
Auch beim Netztechnik-Geschäft expandiert der Konzern. Mit dem offiziellen Spatenstich für eine neue Fabrik für Hochspannungsschaltanlagen in Pearl, Mississippi, investiert Siemens Energy rund 300 Millionen US-Dollar. Das Werk ist Teil eines globalen Ausbauplans für Netztechnologie-Kapazitäten mit einem Volumen von 2,3 Milliarden US-Dollar bis 2028.
Omterra-Start und Q3-Zahlen im Fokus
Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 firmiert die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa unter der neuen eigenständigen Marke „Omterra“. Durch das vorzeitige Ende der Lizenzvereinbarung mit der Siemens AG entfallen künftig jährliche Gebühren von rund 300 Millionen Euro – ein Effekt, den auch JPMorgan als margenrelevant hervorhebt. Intern verschärft Konzernchef Christian Bruch laut Handelsblatt zudem die Renditeziele für die einzelnen Divisionen; Sparten, die diese Ziele perspektivisch nicht erreichen, droht demnach die Trennung.
Der Vermögensverwalter Amundi meldete zum Stichtag 9. Juli eine Schwellenberührung bei den Stimmrechten an Siemens Energy – ein Hinweis auf reges institutionelles Interesse an der Aktie in den vergangenen Wochen.
Im Zentrum der kommenden Wochen steht die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 am 5. August. Das Management hatte die Jahresprognose im Mai bereits angehoben und rechnet nun mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent sowie einer Ergebnismarge zwischen 10 und 12 Prozent. Die Analystenschar wird die Zahlen daran messen, ob sich der von UBS erwartete Zenit im Gas-Auftragseingang tatsächlich noch verschiebt – oder ob Barclays mit seiner Warnung vor einem zyklischen Höhepunkt richtig liegt.
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