Die ehemalige Muttergesellschaft Siemens AG hat ihre Beteiligung an Siemens Energy erneut verringert. Eine Pflichtmitteilung gemäß §40 WpHG, veröffentlicht am Mittwoch vergangener Woche, bestätigte eine Schwellenunterschreitung: Die Position sank auf 4,98 Prozent der Stimmrechte. Gehalten wird der Anteil nicht direkt von der Siemens AG, sondern über deren Tochtergesellschaft Siemens Beteiligungen Inland GmbH.
Der Schritt setzt den seit der Abspaltung 2020 laufenden Rückzugsprozess fort. Damals hielt der Konzern noch 35,1 Prozent an seiner heutigen Energiesparte, seither wurde die Position schrittweise abgebaut.
Größter Einzelaktionär ist inzwischen der rechtlich eigenständige Siemens Pension-Trust e. V. Für Anleger ist die erneute Reduzierung vor allem ein Signal: Die operative und kapitalmäßige Entflechtung der beiden Unternehmen schreitet weiter voran, ungeachtet enger Geschäftsbeziehungen in einzelnen Projekten.
Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial
Parallel zur Meldung über die Stimmrechte rückte zuletzt eine Analystenstimme in den Fokus. JPMorgan bekräftigte nach Gesprächen mit Konzernchef Christian Bruch die Einstufung „Overweight“ und beließ das Kursziel bei 245 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau.
Der Kommentar wurde am Markt als frischer Impuls für die Aktie aufgenommen, auch wenn andere Häuser vorsichtiger positioniert sind: Jefferies hatte sein Kursziel Anfang September auf 210 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ aber bestätigt.
Operatives Geschäft läuft auf mehreren Kontinenten
Abseits der Kapitalmarktthemen kommt Siemens Energy operativ voran. In Guyana traf sich der Premierminister vergangene Woche mit einem Siemens-Energy-Team zur weiteren Vorbereitung des Gas-to-Energy-Projekts, bei dem das Unternehmen als Betreiber eines 300-Megawatt-Kraftwerks vorgesehen ist.
In Großbritannien wiederum hat Siemens Energy einen Auftrag von Rolls-Royce SMR zur Fertigung von Dampfturbinenkomponenten für ein Small-Modular-Reactor-Projekt an Land gezogen; die Teile sollen am Standort Newcastle gefertigt werden.
Kurs bleibt unter Druck
Trotz der positiven Nachrichtenlage bleibt die Aktie unter Druck. Am Freitag legte das Papier zwar um 2,3 Prozent zu und schloss bei 143,92 Euro, auf Monatssicht steht aber ein Minus von 10 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, erreicht im April, fehlen der Aktie derzeit 26 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 20 Prozent.
Für Anleger zeichnet sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ gewinnt Siemens Energy mit Projekten in Guyana und Großbritannien an Substanz, während die Aktie nach den schwächeren Quartalszahlen vor rund einem Monat noch nicht zu alter Stärke zurückgefunden hat.
Die Reduzierung der Siemens-Beteiligung dürfte an dieser Gemengelage wenig ändern – sie ist Teil eines seit Jahren laufenden, planmäßigen Rückzugs und keine Reaktion auf aktuelle Geschäftsentwicklungen.
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