Rund 20 Prozent unter dem April-Hoch, ein RSI nahe überverkauftem Terrain — und trotzdem hält RBC Capital Markets unbeirrt an ihrer optimistischen Einschätzung fest. Der Kontrast zwischen Kursentwicklung und Analystenvertrauen ist das bestimmende Thema dieser Woche.
RBC sieht 29 Prozent Aufwärtspotenzial
Am Freitag schloss die Aktie mit einem Minus von 2,6 Prozent bei 155,14 Euro. Auf Wochensicht steht ein Verlust von 4,6 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar 16,5 Prozent — ein deutlicher Rücksetzer nach der starken Jahresanfangsrally von rund 26 Prozent.
RBC Capital Markets ließ sich davon nicht beirren. In einer Studie vom 5. Juni bestätigten die Analysten das „Outperform“-Rating und ein Kursziel von 200 Euro. Das liegt spürbar über dem Marktkonsens von rund 186 Euro. Als Treiber sehen Marktbeobachter vor allem die strukturelle Nachfrage nach Netzinfrastruktur — ein Kerngeschäft des Konzerns.
Zahlen stützen die Erwartungen
Die fundamentale Basis liefert Argumente für den Optimismus. Im zweiten Quartal 2026 kletterte das Ergebnis je Aktie auf 0,89 Euro, nach 0,50 Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg auf 10,29 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Analysten ein EPS von 4,30 Euro.
Auch bei der Dividende zeichnet sich ein Sprung ab: Nach 0,70 Euro für 2025 liegt die Markterwartung für 2026 bei 1,84 Euro je Aktie. Die nächsten Quartalszahlen folgen am 5. August.
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Rückenwind aus Brüssel und Berlin
Das Makroumfeld schickt gemischte Signale, per Saldo aber eher positive für Siemens Energy. Geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus treiben die Energiepreise — und rücken Versorgungssicherheit und Netzausbau als politische Priorität in den Vordergrund. Die EU-Kommission plant, Schuldenregeln für Investitionen in Netze, Speicher und erneuerbare Energien zu lockern: Mitgliedstaaten sollen zwischen 2026 und 2028 zusätzliche Spielräume von bis zu 0,6 Prozent des BIP erhalten.
In Deutschland wurde im ersten Quartal ein Rekordzubau bei Batteriespeichern von über 2 GWh verzeichnet — ein weiteres Signal für den wachsenden Bedarf an Netzstabilisierung.
EZB-Entscheidung als nächster Kurstreiber
Am 11. Juni entscheidet die EZB über den Leitzins. Erwartet wird eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent — ein Gegenwind für kapitalintensive Energieprojekte und damit potenziell für die Auftragsdynamik. Charttechnisch liegt der 50-Tage-Durchschnitt bei 168,44 Euro als nächster nennenswerter Widerstand, der langfristige 200-Tage-Durchschnitt bei 135,21 Euro bleibt dagegen klar unterboten. Ob die EZB-Entscheidung den laufenden Ausverkauf beschleunigt oder die Aktie bereits ausreichend abgestraft hat, wird der Markt bis Ende nächster Woche beantworten.
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