Ein Auftragsbestand von 154 Milliarden Euro. Eine Fertigung, die kaum hinterherkommt. Siemens Energy hat vor dem Start der Quiet Period noch einmal klargestellt: Das eigentliche Problem des Konzerns ist derzeit nicht die Nachfrage, sondern die Kapazität, sie zu bedienen.
Seit dem 1. Juli 2026 gilt für den Energietechnikkonzern die offizielle Schweigepflicht vor der Quartalsvorlage. Das Management äußert sich bis dahin nicht mehr öffentlich zum Geschäftsverlauf. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 164,98 Euro.
Fertigung wird zum Nadelöhr
Die weltweite Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Das verschafft Siemens Energy eine komfortable Position: Der Konzern kann Preise zunehmend selbst bestimmen. Als Reaktion fährt er seine Produktion drastisch hoch.
Noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 steigt die jährliche Kapazität für mittelgroße Gasturbinen von 50 auf 80 Einheiten. Für 2027 plant der Vorstand auch bei den großen Modellen einen Sprung – auf rund 50 Stück. Zusätzlich investiert der Konzern über eine Milliarde US-Dollar in die US-Fertigung, vor allem für Gasturbinen und Netztechnik.
Zwei Themen entscheiden im August
Der Auftragsbestand bleibt die zentrale Stütze der Prognose. Für 2026 peilt Siemens Energy ein Umsatzwachstum von bis zu 16 Prozent an. Bis zur nächsten Berichterstattung müssen sich Investoren aber ohne neue Aussagen des Vorstands behelfen.
Die nächste Bewährungsprobe folgt am 5. August mit dem Quartalsbericht. Dabei rücken zwei Punkte in den Fokus. Erstens: Die Netztechnik-Sparte muss ihren starken Auftragseingang bestätigen. Zweitens: Der Markt verlangt sichtbare Fortschritte bei der Sanierung der Krisentochter Siemens Gamesa.
Kursbild zeigt Konsolidierung
Mit 164,98 Euro notiert die Aktie 15,63 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,54 Euro, erreicht am 24. April 2026. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 6,94 Prozent zu Buche. Über zwölf Monate hat das Papier 78,36 Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn 34,35 Prozent.
Der Kurs liegt mit 16,87 Prozent klar über dem 200-Tage-Durchschnitt von 141,16 Euro. Unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 168,06 Euro notiert er dagegen leicht, um 1,83 Prozent. Der RSI steht bei 51,9 – weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte Volatilität von 60,64 Prozent zeigt: Große Kursschwankungen bleiben die Regel, nicht die Ausnahme.
Bis zum 5. August bleibt die Aktie ohne frische Unternehmensmeldungen auf sich gestellt. Die angekündigte Kapazitätserweiterung bei Gasturbinen liefert dabei schon jetzt ein wichtiges Signal: Sie zeigt, wie ernst das Management die Umwandlung des Rekordauftragsbestands in tatsächliche Umsätze nimmt. Der Quartalsbericht wird zeigen, ob Netztechnik und Gamesa-Sanierung diesem Anspruch gerecht werden.
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