Siemens Energy rückt in Guyana einem wichtigen Etappenziel näher. Der Premierminister des südamerikanischen Landes traf sich am Freitag mit einem Team des Konzerns, um die Einsatzbereitschaft eines 300-Megawatt-Gas-to-Energy-Kraftwerks zu besprechen. Siemens Energy soll die Anlage künftig als Betreiber im Rahmen eines Betriebs- und Wartungsvertrags (O&M) führen.
Für den Konzern ist das Projekt mehr als eine Randnotiz. Guyana baut seine Energieinfrastruktur im Zuge des Öl-Booms rasant aus, und ein Kraftwerk dieser Größenordnung mit langfristigem Betriebsvertrag verschafft Siemens Energy verlässliche Folgeerlöse über den reinen Anlagenbau hinaus. Solche Servicegeschäfte gelten im Konzern als margenstabiler als das klassische Projektgeschäft.
Umbau der Industriesparte läuft parallel
Während in Guyana die operative Umsetzung vorangetrieben wird, arbeitet Siemens Energy weiter an der Neuordnung des eigenen Portfolios. Die Geschäftseinheit „Transformation of Industry“ soll als eigenständige Einheit ausgegliedert werden, Medienberichten zufolge unter dem neuen Markennamen „Omterra“.
Der Schritt würde dem Konzern erlauben, sich stärker auf die Kerngeschäfte Netze und Energieerzeugung zu konzentrieren, während die Industriesparte eigenständig am Markt agiert.
Auch im Personalbereich zeigt sich internationale Aktivität: Auf der konzerneigenen Karriereseite ist eine Stellenausschreibung für einen Power System Consultant in Malaysia veröffentlicht worden – ein Hinweis darauf, dass Siemens Energy sein Beratungsgeschäft rund um Netzstabilität auch in Asien weiter ausbaut.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse hat sich die Erholung vom Freitag, als die Aktie um 2,3 Prozent zulegte, bislang nicht fortgesetzt. Auf Sicht von 30 Tagen steht weiterhin ein Rückgang von 12 Prozent zu Buche, der Titel notiert mit 143,92 Euro rund 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro aus dem April. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 150,96 Euro liegt bei minus 4,7 Prozent, was auf eine kurzfristig angeschlagene Verfassung hindeutet.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 20 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 53 Prozent. Die jüngste Schwäche relativiert sich damit vor dem Hintergrund der langfristigen Kursentwicklung, auch wenn sie zeigt, dass Anleger die Nachrichten aus Guyana und zum Konzernumbau bislang nicht als unmittelbaren Kaufimpuls werten.
Für Investoren bleibt die Gemengelage zweigeteilt: operative Fortschritte in Wachstumsmärkten wie Guyana und die Neuausrichtung des Industriegeschäfts stehen einer Aktie gegenüber, die charttechnisch noch keinen klaren Boden gefunden hat.
Ob sich die strategischen Fortschritte in den kommenden Wochen auch im Kurs niederschlagen, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie schnell das Kraftwerksprojekt in Guyana in den operativen Betrieb übergeht und wie der Markt die Ausgliederung der Industriesparte bewertet.
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