Eine Bank warnt vor dem Ende des Booms. Der Konzern selbst liefert das Gegenargument: einen milliardenschweren Großauftrag aus dem Oman. Bei Siemens Energy prallen aktuell zwei Erzählungen aufeinander – und die Aktie muss sich entscheiden, welcher sie folgt.
Barclays-Abstufung belastet das Sentiment
Auslöser der jüngsten Kursschwäche ist eine Studie der britischen Investmentbank Barclays. Analyst Vlad Sergievskii stuft die Aktie von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab. Zwar hebt er das Kursziel von 110 auf 130 Euro an. Der Wert liegt aber weiterhin deutlich unter dem aktuellen Kurs von 153,50 Euro.
Sergievskiis Kernthese: Das Gasturbinen-Geschäft nähert sich seinem operativen Höhepunkt. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Barclays mit einem freien Cashflow von rund 7,62 Milliarden Euro – einem Rekordwert. Danach dürfte sich die Nachfrage normalisieren, so die Prognose.
Ein Kritikpunkt betrifft die Auftragslage. In den vergangenen sechs Monaten sammelte Siemens Energy Bestellungen über 50 Gigawatt ein. Das übersteigt die durchschnittliche globale Nachfrage vergangener Jahre deutlich.
Oman-Auftrag kontert Skeptiker
Die Praxis liefert bereits ein Gegenbeispiel. Siemens Energy sicherte sich einen Großauftrag für zwei Kraftwerksprojekte im Oman: Misfah und Duqm. Der Konzern liefert Gas- und Dampfturbinen sowie Generatoren mit einer Gesamtleistung von fast 2,6 Gigawatt.
Die Anlagen sind für den sogenannten Wasserstoff-Co-Firing-Betrieb ausgelegt. Sie unterstützen damit die Dekarbonisierungsziele des Sultanats. Der Deal zeigt: Brückentechnologien für die Energiewende bleiben gefragt.
Neben der reinen Technik liefert Siemens Energy auch langfristige Serviceleistungen. Das stärkt die wiederkehrenden Einnahmen – für Investoren ein wichtiger Faktor.
Rating-Upgrade und Rückkäufe stärken Vertrauen
Trotz der Kursdelle bleibt das fundamentale Bild stabil. Auf Sicht von sieben Tagen verlor die Aktie 6,69 Prozent, seit Jahresbeginn steht aber weiterhin ein Plus von 25 Prozent. Die Ratingagentur S&P Global Ratings hob die Bonität von Siemens Energy kürzlich auf „BBB+“ mit stabilem Ausblick an.
Die Experten honorieren die steigende Profitabilität. Vor allem die Windkrafttochter Siemens Gamesa soll noch in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen.
Der Konzern untermauert das Vertrauen mit Kapitalrückführungen. Aktuell läuft die zweite Tranche des Aktienrückkaufprogramms. Bis Ende September 2026 will Siemens Energy eigene Aktien für bis zu eine Milliarde Euro kaufen.
Der große Rahmen reicht weiter. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 plant der Konzern Rückkäufe im Gesamtvolumen von bis zu sechs Milliarden Euro.
Ausblick: Warten auf die Quartalszahlen
Aktuell notiert die Aktie bei 153,50 Euro, deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,54 Euro. Der RSI von 43,2 zeigt eine neutrale Marktlage – kein Übertreibungssignal in beide Richtungen.
Am 5. August 2026 legt Siemens Energy die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor. Bis dahin gilt die sogenannte Quiet Period: Das Management äußert sich nicht zu kursrelevanten Themen. Der Bericht muss zeigen, ob der hohe freie Cashflow und die Margenziele im Netzgeschäft tatsächlich Bestand haben.
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