Der Umbau bei Siemens Energy nimmt konkrete Formen an. Nach der Ankündigung, die Sparte „Transformation of Industry“ abzuspalten, zeichnet sich nun ab, wer als Käufer infrage kommt. Bloomberg berichtete, dass Goldman Sachs als Berater für den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der Division mandatiert wurde.
Mehrere große Private-Equity-Häuser prüfen demnach mögliche Gebote – darunter CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR. Die Bewertung der Sparte könnte laut Bloomberg über 10 Milliarden Euro liegen.
Verkaufsprozess läuft parallel zum Rebranding
Während der Verkaufsprozess für die Industriesparte anläuft, treibt Siemens Energy zugleich einen Markenwechsel voran. Wie das Fachmedium Power Progress berichtete, sollen Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy künftig unter der gemeinsamen Marke „Omterra“ auftreten. Der Rebranding-Prozess soll im laufenden Kalenderjahr beginnen und in mehreren Stufen umgesetzt werden.
Beide Vorhaben – Verkauf und Markenneuordnung – fallen in eine Phase, in der der Konzern seine Struktur grundlegend neu ordnet: Die „Transformation of Industry“-Sparte mit rund 17.000 Mitarbeitern erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro bei einer Gewinnmarge von 11,3 Prozent.
Für Anleger bedeutet das mögliche Gebot der Private-Equity-Firmen eine Konkretisierung dessen, was bislang nur als strategische Absicht formuliert war.
Statt einer reinen Dekonsolidierung mit Minderheitsbeteiligung, wie sie Siemens Energy ursprünglich skizziert hatte, deutet der Bloomberg-Bericht nun auf einen möglichen direkten Verkauf einer Mehrheit an institutionelle Investoren hin. Das würde dem Konzern frisches Kapital verschaffen, zugleich aber auch die Frage aufwerfen, wie viel operativen Einfluss Siemens Energy langfristig behält.
Kurs bleibt unter Druck
Die Aktie spiegelt die Unsicherheit über Struktur und Timing der Transaktion wider. Am Montag schloss das Papier bei 142,66 Euro, nach einem Tagesverlust von 4,3 Prozent. Damit notiert die Aktie rund 27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April erreicht wurde. Der Relative-Stärke-Index von 38,4 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, die auf anhaltenden Verkaufsdruck der vergangenen Wochen hindeutet.
Operativ bleibt das Unternehmen jedoch solide unterwegs. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das Anfang August veröffentlicht wurde, stieg der Umsatz um 17,47 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie kletterte von 0,71 Euro auf 1,28 Euro. Diese Zahlen untermauern, dass die aktuelle Kursschwäche in erster Linie strukturelle Unsicherheit widerspiegelt, weniger operative Probleme.
Offene Fragen zur Bewertung
Ob sich die kolportierte Bewertung von über 10 Milliarden Euro für die Industriesparte tatsächlich realisieren lässt, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Bieterprozesses ab. Für Siemens Energy steht viel auf dem Spiel: Ein erfolgreicher Verkauf zu attraktiven Konditionen könnte die Bilanz stärken und dem Konzern mehr strategischen Spielraum verschaffen.
Zugleich bleibt abzuwarten, welche der genannten Private-Equity-Firmen tatsächlich ein verbindliches Angebot vorlegt und wie lange sich der Prozess noch hinzieht. Bis dahin dürfte die Aktie von der Unsicherheit über Timing und Struktur der Transaktion geprägt bleiben.
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