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Siemens Energy Aktie: Goldman Sachs berät Dampfturbin-Verkauf

Siemens Energy plant Mehrheitsverkauf des Dampfturbinengeschäfts. Die Aktie fällt, doch Analysten sehen Potenzial in der profitablen Windsparte Gamesa.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Goldman Sachs berät bei Turbinen-Verkauf
  • Gamesa erstmals wieder profitabel
  • Analysten sehen Kurspotenzial von 30 Prozent
  • Dividende soll sich 2026 fast verdreifachen

Zwei Nachrichten trafen Siemens Energy gestern gleichzeitig, und die Aktie reagierte prompt mit Kursverlusten von über vier Prozent auf 146,98 Euro im Tagesverlauf. Zum einen arbeitet Goldman Sachs im Auftrag des Konzerns an einer Mehrheitsveräußerung des Dampfturbinen-Geschäfts.

Zum anderen rückt die Zukunft der Windsparte Siemens Gamesa – bald unter dem Namen Omterra firmierend – wieder in den Fokus. Für mich ist klar: Die Reaktion des Marktes verwechselt kurzfristige Nervosität mit der eigentlichen Substanz der Story.

Ein Konzern, der sich endlich traut, Ballast abzuwerfen

Dass Siemens Energy sein Dampfturbinen-Geschäft mit Hilfe von Goldman Sachs an einen Mehrheitseigner abgeben will, lese ich als konsequenten Schritt. Das klassische, auf fossile Kraftwerke ausgerichtete Turbinengeschäft passt kaum noch zu einem Unternehmen, das sich zunehmend als Rückgrat der Energiewende und, wie andere Berichte zuletzt andeuteten, sogar als Zulieferer für KI-Rechenzentren positioniert.

Eine Mehrheitsbeteiligung abzugeben heißt nicht zwingend, sich vollständig zu verabschieden – aber es signalisiert, dass das Management bereit ist, Kapital und Aufmerksamkeit auf die Wachstumsfelder zu konzentrieren. Das spricht für Fokussierung statt für Verzettelung.

Bezeichnend ist der Zeitpunkt: Der Schritt kommt, nachdem Siemens Energy erst am 5. August mit Rekord-Quartalszahlen überrascht hatte. Der Gewinn je Aktie kletterte im dritten Quartal auf 1,28 Euro nach 0,71 Euro im Vorjahr, der Umsatz stieg um 17,47 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro.

Die Aktie legte daraufhin zunächst rund 25 Prozent zu, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten – am 18. August ging es bereits um 5,23 Prozent nach unten, gestern folgte der nächste Rücksetzer. Für mich ist das eher ein Muster typischer Konsolidierung nach einem fulminanten Lauf als ein Alarmsignal.

Gamesa entscheidet über die Bewertung der Zukunft

Der eigentliche Knackpunkt liegt für mich nicht beim Dampfturbinengeschäft, sondern bei der Windsparte. Siemens Gamesa erzielte im jüngsten Quartal erstmals seit 2022 wieder einen Gewinn – ein Wendepunkt, der lange überfällig war.

Ob die Sparte künftig abgespalten wird und unter dem Namen Omterra eigenständig an den Markt geht, dürfte darüber entscheiden, wie der Konzern langfristig bewertet wird. Bleibt die Profitabilität stabil, wäre eine Abspaltung ein Wertschöpfungshebel; rutscht Gamesa zurück in die Verlustzone, würde jede Diskussion über eine Trennung zur Belastung.

Der Kursverlauf spiegelt diese Unsicherheit wider. Mit einem Schlusskurs von 149,20 Euro am Montag liegt die Aktie rund 24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, notiert aber weiterhin 79 Prozent über dem Tief vom September.

Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 155,69 Euro beträgt aktuell minus 4,2 Prozent – ein Indiz dafür, dass die kurzfristige Dynamik nachgelassen hat, ohne dass der langfristige Aufwärtstrend gebrochen wäre. Der RSI von 44,3 deutet zudem eher auf eine neutrale als auf eine überverkaufte oder überkaufte Situation hin.

Fundamentaldaten sprechen weiter für den Titel

Was mich in meiner grundsätzlich konstruktiven Haltung bestärkt: Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 195,30 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Niveau.

Die für 2026 erwartete Dividende von 1,94 Euro würde die Ausschüttung des Vorjahres von 0,70 Euro fast verdreifachen – ein Signal, dass das Management der eigenen Ertragskraft traut. Die nächsten Zahlen zum vierten Quartal werden am 11. November erwartet und dürften zeigen, ob sich der operative Schwung fortsetzt.

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für Zuversicht. Der Verkauf des Dampfturbinen-Geschäfts ist keine Schwäche, sondern eine überfällige Portfoliobereinigung. Die eigentliche Wette liegt in der Windsparte – und dort sprechen die jüngsten Zahlen erstmals seit Jahren wieder für die Bullen. Die aktuelle Kursschwäche wirkt auf mich wie eine Verschnaufpause, nicht wie das Ende der Rekord-Story.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.