Ein Konzernbereich, der jahrelang für rote Zahlen sorgte, dreht ins Plus – und zieht damit die gesamte Bilanz von Siemens Energy nach oben. Die Windenergietochter Gamesa hat im dritten Geschäftsquartal erstmals seit 2022 wieder einen Überschuss geschrieben. Für ein Unternehmen, dessen Aktie sich zuletzt schon deutlich vor den Zahlen aufgeheizt hatte, ist das ein Befreiungsschlag mit Substanz.
Zahlen übertreffen die Erwartungen deutlich
Im Zeitraum April bis Juni verbuchte Siemens Energy 17,9 Milliarden Euro an Neugeschäft – rund eine Milliarde Euro mehr, als der Markt erwartet hatte. Der Umsatz legte um 18,5 Prozent zu, der bereinigte Gewinn verdreifachte sich auf 1,6 Milliarden Euro. Die bereinigte Konzernmarge kletterte auf 14,2 Prozent, ein Plus von 9,1 Punkten gegenüber dem Vorjahr und knapp zwei Punkte über den Analystenschätzungen.
Den größten Anteil an dieser Verbesserung lieferte Gamesa mit einem Ergebnissprung von mehr als 500 Millionen Euro. Nach Jahren als Sorgenkind steht die Sparte damit erstmals wieder ohne Verlust da. Siemens Energy bestätigte die im April angehobene Jahresprognose: Der Umsatz soll vergleichbar um 14 bis 16 Prozent wachsen, die operative Marge zwischen 10 und 12 Prozent liegen – Richtung oberes Ende der Spanne.
Analysten uneinig vor dem Bilanztermin
Am Tag vor der Vorlage zeigte sich die Aktie bereits stark und legte im XETRA-Handel auf über 151 Euro zu, nachdem im Juli mehrere Kaufempfehlungen bekräftigt worden waren. Deutsche Bank, JPMorgan und UBS sehen das Papier bei 200, 235 beziehungsweise 210 Euro fair bewertet, das mittlere Kursziel aller ausgewerteten Häuser liegt bei 193,80 Euro. Acht von elf Häusern raten zum Kauf, zwei zum Halten.
Barclays bildet den Gegenpol: Die Bank stufte die Aktie Anfang Juli auf Underweight herab und begründete dies mit einem Markt, der bei Gasturbinen bereits ein dauerhaftes Boomszenario einpreise. UBS hatte ihr Kursziel dagegen erst am 20. Juli von 175 auf 210 Euro angehoben und die Ebita-Schätzungen bis 2029 im Schnitt um 11 Prozent erhöht – mit dem Argument, das Gasgeschäft habe seinen Zenit im laufenden Geschäftsjahr noch nicht erreicht. Sein bisheriges Rekordhoch hatte das Papier am 24. April bei 191,66 Euro markiert.
Mit dem Gamesa-Turnaround liefert Siemens Energy nun genau das Argument, das die optimistischeren Häuser gebraucht hatten. Ob der Auftragseingang das hohe Tempo auch in den kommenden Quartalen hält, dürfte darüber entscheiden, ob sich die Schere zwischen Barclays‘ Skepsis und den ambitionierten Kurszielen von JPMorgan und Deutsche Bank weiter schließt.
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