Nach einem starken Lauf seit Jahresbeginn trifft Siemens Energy gerade eine doppelte Belastung: Der breite Markt schwächelt, und die Aktie verstärkt diesen Trend noch. Am Freitag verlor das Papier 6,32 Prozent und schloss bei 154,28 Euro. Auf Wochensicht summieren sich die Verluste auf 8,65 Prozent.
Makrodruck trifft Energietitel besonders hart
Der Auslöser für die jüngste Schwäche liegt in den USA. Der PCE-Preisindex stieg im Mai auf 4,1 Prozent — den höchsten Stand seit drei Jahren. Das schürt Sorgen über weitere Zinsschritte der Federal Reserve. Risikobehaftete Anlagen gerieten daraufhin unter Druck, der Euro STOXX 50 gab 1,22 Prozent nach. Siemens Energy zählte zu den schwächsten Werten im Index.
Die Jahresbilanz bleibt trotzdem positiv: Seit Januar steht ein Plus von rund 26 Prozent. Vom Allzeithoch bei 195,54 Euro, erreicht Ende April, ist die Aktie inzwischen aber gut 21 Prozent entfernt. Der RSI liegt bei 43,8 — unter Druck, aber noch nicht überverkauft.
EU-Netzausbau als struktureller Rückenwind
Politisch zeichnet sich ein Impuls ab. Berichten zufolge nähert sich die EU einem Rahmenvertrag für den massiven Ausbau der Stromnetze. Siemens Energy liefert zentrale Technologien für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung und Transformatoren. Das Unternehmen ist in zahlreiche europäische Infrastrukturprojekte eingebunden.
Kurzfristig hilft das dem Kurs wenig. Mittelfristig könnte es die Auftragsbücher füllen — sofern die Verträge kommen.
Pre-Close-Call am 29. Juni
Der nächste konkrete Termin ist der 29. Juni. Siemens Energy hat für diesen Tag einen Pre-Close-Call angesetzt. Das Management gibt dabei üblicherweise einen Vorgeschmack auf den kommenden Quartalsbericht. Investoren warten auf zwei Dinge: aktuelle Zahlen aus dem Segment Grid Technologies und den Stand der Sanierung bei der Windkrafttochter Gamesa.
Hält die Aktie bis dahin die psychologische Marke von 150 Euro, dürfte der Pre-Close-Call ein echter Kurstreiber werden — oder das nächste Enttäuschungsrisiko.
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