Die Rekordjagd bei Siemens Energy legt eine Pause ein. Erst am vergangenen Freitag markierte die Aktie ein neues 52-Wochen-Hoch bei 188 Euro. Inzwischen dominieren Gewinnmitnahmen das Bild. Das Papier notiert aktuell bei rund 174 Euro und verliert damit auf Tagessicht knapp drei Prozent.
Makroökonomische Unsicherheiten bremsen den kurzfristigen Aufwärtsdrang. Der ifo-Geschäftsklimaindex rutschte im April überraschend deutlich ab. Unternehmenslenker blicken pessimistischer in die Zukunft. Als Hauptgrund für die trübe Stimmung gilt die anhaltende Irankrise, welche die Energiepreise treibt und globale Lieferketten bedroht.
KI-Boom als struktureller Treiber
Langfristig bleibt die Investmentstory intakt. Der Konzern profitiert massiv vom globalen Ausbau der Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Diese Anlagen erfordern gewaltige Strommengen, hochmoderne Netzanschlüsse und Gasturbinen zur Absicherung von Spitzenlasten. Siemens Energy bedient genau diese Nachfrage. Die starke Marktstellung veranlasste das Management kürzlich sogar zu einer Anhebung der Jahresprognose.
Ein Bremsklotz bleibt indes das kapitalintensive Geschäft der Windkrafttochter Siemens Gamesa. Die Sanierung der Sparte bindet weiterhin Ressourcen und drückt auf die operative Marge. Wie lukrativ das Windgeschäft bei funktionierenden Abläufen sein kann, zeigt derweil die Konkurrenz. Nordex legte nach überzeugenden Quartalszahlen zeitweise um über zehn Prozent zu.
Trotz der aktuellen Abkühlung sprechen die übergeordneten Trends eine klare Sprache. Auf Sicht von zwölf Monaten steht bei Siemens Energy ein Kursplus von rund 150 Prozent auf der Anzeigetafel. Der Abstand zur 50-Tage-Linie beträgt komfortable neun Prozent. Das unterstreicht den intakten Aufwärtstrend des Energietechnikkonzerns.
Neue Impulse für den gesamten Sektor stehen bereits im Kalender. Am 13. Mai veröffentlicht der ehemalige Mutterkonzern Siemens AG seine Ergebnisse für das zweite Quartal. Die Zahlen gelten als wichtiger Indikator für die allgemeine Industrienachfrage und liefern konkrete Hinweise auf die Investitionsbereitschaft im europäischen Energiesektor.
