Rekordaufträge, aber ein Kurs weit unter dem Jahreshoch — bei Siemens Energy klaffen operative Stärke und Börsenbewertung auseinander. Das Management tritt heute in München an, um institutionelle Anleger von der eigenen Strategie zu überzeugen.
Roadshow gegen die Bewertungslücke
Seit dem April-Hoch bei 195,54 Euro hat die Aktie knapp ein Fünftel ihres Wertes verloren. Aktuell notiert sie bei 158,12 Euro — rund 6 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Dabei liefert das operative Geschäft wenig Grund zur Klage: Der Auftragsbestand liegt bei rund 154 Milliarden Euro.
Genau diese Lücke will das Investor-Relations-Team schließen. Nach München folgen am 10. und 11. Juni Präsentationen in Kopenhagen und Stockholm. Im Mittelpunkt stehen die Profitabilitätsziele für das laufende Geschäftsjahr und der Stand der langfristigen Strategie.
Camlin-Übernahme stärkt das Netzgeschäft
Anfang Juni hat Siemens Energy die nordirische Camlin Group übernommen. Das Unternehmen beschäftigt rund 650 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 104 Millionen Euro. Camlin entwickelt Sensorik und Software, mit der Netzbetreiber ihre Infrastruktur vorausschauend warten können.
Der Zukauf stärkt die Sparte Grid Technologies. Für diese Einheit plant Siemens Energy im Geschäftsjahr 2026 ein Umsatzwachstum von 25 bis 27 Prozent. Die Integration soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Rückkaufprogramm als Kursstütze
Seit dem 4. Juni läuft eine Tranche des Aktienrückkaufprogramms mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro. Abschluss ist spätestens Ende September. Dahinter steht ein größerer Rahmen: Bis Ende des Geschäftsjahres 2027/28 will Siemens Energy insgesamt bis zu sechs Milliarden Euro in Rückkäufe stecken.
Die zurückgekauften Aktien sollen für Vergütungsprogramme und Belegschaftsaktien genutzt oder eingezogen werden. Am Markt gilt das als Signal, dass der Vorstand den aktuellen Kurs für attraktiv hält.
Trotz des Rücksetzers von rund 11 Prozent in den vergangenen 30 Tagen liegt die Jahresperformance noch bei knapp 29 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 40,2 deutet auf nachlassenden Verkaufsdruck hin.
Der entscheidende Unsicherheitsfaktor bleibt die Windkrafttochter Gamesa. Ob sie stabil genug läuft, um die angestrebte operative Konzernmarge von 10 bis 12 Prozent zu erreichen, wird die Roadshow-Gespräche der nächsten Tage prägen.
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