Bank of America hält den jüngsten Kursrückgang bei Siemens Energy für überzogen und bestätigt heute ihre Kaufempfehlung. Die Bank verweist auf die breitere Stromnachfrage und Aufträge aus den USA. Für Anleger steht damit die Frage im Mittelpunkt, ob das starke Geschäft die Sorgen um Preise und Margen rechtfertigt – oder diese Sorgen bereits zu stark in der Bewertung stecken.
Kaufempfehlung mit Gegenargument
Nach Einschätzung von Bank of America spiegeln die Bewertungen übermäßig pessimistische Abwärtsszenarien wider. Bei Siemens Energy stützt zudem die Windkraftsparte die positive Sicht: Sie erzielte erstmals seit Jahren wieder einen Quartalsgewinn. Die Margen liegen laut Management nahe dem oberen Ende der Zielspannen.
Die Aktie gewinnt heute 3,1%. Der Anstieg passt zur optimistischeren Einschätzung der Bank, entscheidet aber noch nicht die Frage nach der nachhaltigen Ertragskraft.
Die Gegenposition betrifft vor allem die Preissetzungsmacht. Barclays warnt laut dpa-AFX vor begrenzten Möglichkeiten der Energielieferkette, höhere Preise durchzusetzen. Damit stehen sich zwei unterschiedliche Schwerpunkte gegenüber: Bank of America betont die Nachfrage, Barclays die Grenzen ihrer Umsetzung in höhere Preise. Für Siemens Energy ist diese Unterscheidung wesentlich, weil volle Auftragsbücher allein noch keine Margensteigerung garantieren.
Gasturbinen: Reservierung ist nicht Festauftrag
Konkrete Anhaltspunkte zur Nachfrage lieferte IR-Chef Tobias Hang im Pre-Close-Call am 30. September. Die Kundenzusagen für Gasturbinen einschließlich Reservierungen beliefen sich auf 95 GW. Davon waren rund 40 GW fest bestellt.
Diese Trennung ist für die Einordnung wichtig: Reservierungen signalisieren Kundeninteresse, haben aber nicht denselben Status wie verbindliche Bestellungen. Zugleich erklärte Hang, Siemens Energy habe keine Stornierungen oder Verzögerungen bei Rechenzentrumsprojekten oder Slot-Reservierungen beobachtet. Das spricht gegen einen damals bereits sichtbaren Nachfrageeinbruch in diesem Bereich.
Allerdings sollte der Gas-Auftragseingang im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 unter den außergewöhnlich starken ersten drei Quartalen liegen. Eine solche Abschwächung wäre deshalb nicht automatisch ein neuer Warnhinweis, sondern entspräche der bereits kommunizierten Erwartung.
Jahreszahlen müssen die Margenthese stützen
Der Auftragsbestand erreichte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 insgesamt 162 Mrd. €. Das schafft eine erhebliche Geschäftsbasis. Entscheidend bleibt jedoch, zu welchen Konditionen Siemens Energy diese Aufträge abarbeitet und welche Ergebnisbeiträge daraus entstehen.
Die Rückkehr der Windkraftsparte in die Quartalsgewinnzone liefert dafür ein positives Signal. Qualitätsprobleme bei Siemens Gamesa bleiben zugleich ein Risiko. Auch mögliche sinkende Gasturbinenpreise könnten die erwartete Verbesserung der Ertragskraft begrenzen.
Für den 11. November sind die Jahreszahlen sowie der Ausblick 2027 angekündigt. Hinzu kommen die Ziele für 2030 und der Kapitalallokationsrahmen.
Dieser Termin wird zum Prüfstein für die heutige Kaufthese: Siemens Energy muss nicht nur Nachfrage belegen, sondern auch zeigen, wie daraus verlässlich höhere Margen werden sollen. Genau dort treffen der Optimismus von Bank of America und die Preisbedenken von Barclays aufeinander.
Stand heute, 28. Oktober: Siemens Energy – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Siemens Energy investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 28. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
