Barclays stuft Siemens Energy von Halten auf Verkaufen ab. Der Grund klingt zunächst simpel: die Bewertung sei zu hoch. Beim operativen Geschäft zeichnen die Analysten aber ein ausgesprochen positives Bild. Genau dieser Widerspruch sorgt aktuell für Diskussionen unter Marktbeobachtern.
Die Aktie gibt am Montag um 1,64 Prozent nach und steht bei 149,50 Euro. Binnen sieben Tagen hat der Titel damit fast zehn Prozent verloren. Auf Jahressicht bleibt trotzdem ein Plus von 21,74 Prozent, über zwölf Monate steht sogar ein Zuwachs von 62,39 Prozent.
Zahlen sprechen eine andere Sprache als das Rating
Barclays selbst liefert die Zahlen, die dem eigenen Downgrade widersprechen. Die Analysten erwarten einen Gewinn pro Aktie von 4,26 Euro im Jahr 2026. Bis 2028 soll er auf 9,20 Euro steigen — mehr als eine Verdoppelung.
Der Umsatz soll im gleichen Zeitraum von 43 auf 57 Milliarden Euro wachsen. Die Gewinne legen damit deutlich stärker zu als der Umsatz. Das drückt die Margen spürbar nach oben.
Noch deutlicher wird die Dynamik beim Blick auf die einzelnen Jahre. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Barclays mit 170 Prozent Gewinnsteigerung. Danach folgen zwei Jahre mit jeweils über 30 Prozent Wachstum, bis 2030 sollen es im Schnitt rund 25 Prozent pro Jahr sein.
Günstig trotz KGV von 29
Diese Wachstumszahlen verändern den Blick auf die Bewertung. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29 wirkt hoch. Gemessen am erwarteten Wachstum der nächsten fünf Jahre ergibt sich aber eine PEG-Ratio von nur 0,53 — ein Wert, der für viele Investoren eher auf eine günstige als auf eine teure Aktie hindeutet.
Zum Vergleich: US-Wettbewerber GE Vernova wächst ähnlich schnell. Der Konzern wird an der Börse aber mit einem KGV von 60 gehandelt — doppelt so hoch wie Siemens Energy. Nach einem eigenen Downgrade geriet zuletzt auch GE Vernova unter Druck.
KI-Sorgen belasten den ganzen Sektor
Die aktuelle Kursschwäche hat laut Marktbeobachtern weniger mit der Bewertung von Siemens Energy selbst zu tun. Ausschlaggebend ist eher eine breitere Skepsis gegenüber dem Ausbau der KI-Infrastruktur. Diese Zurückhaltung schlägt derzeit auch in Deutschland durch.
Charttechnisch zeigt sich diese Unsicherheit deutlich. Die Aktie liegt 9,34 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 164,90 Euro. Über der 200-Tage-Linie von 142,92 Euro hält sie sich mit einem Plus von 4,60 Prozent noch knapp.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro aus dem April ist der Titel inzwischen 23,55 Prozent entfernt. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei knapp 60 Prozent — ein Hinweis auf die derzeit hohe Nervosität im Handel.
Am 5. August 2026 legt Siemens Energy die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Anleger richten den Blick dabei besonders auf Auftragseingang und Marge im Gasturbinengeschäft. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen der starken Wachstumsstory und der Sorge vor einer überzogenen Bewertung gefangen.
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