Der Aufsichtsrat von Siemens Energy hat grünes Licht für die Abspaltung der Sparte Transformation of Industry (ToI) gegeben. Die Einheit soll künftig unter dem Namen Omterra eigenständig am Markt auftreten. Für Anleger markiert die Entscheidung einen Strategiewechsel: Der Konzern trennt sich von einem Geschäft mit rund 5,7 Milliarden Euro Segmentumsatz, um sich künftig stärker auf margenstärkere Bereiche zu konzentrieren.
Kompressoren, Turbinen und Elektrolyseure vor der Tür
ToI bündelt ein breites Portfolio aus Kompressoren, Dampfturbinen, Wasserstoffelektrolyseuren und Batteriespeichern. Nach Einschätzungen von Analysten ist die Sparte mehr als zehn Milliarden Euro wert.
Als Grund für den Schritt gilt der interne Wettbewerb um Kapital innerhalb des Konzerns: Statt Investitionsmittel über alle Bereiche zu verteilen, will Siemens Energy sein Kapitalprogramm künftig gezielter auf Gas Services und Grid Technologies ausrichten – jene Sparten, die bereits heute deutlich höhere Margen erwirtschaften als das Industriegeschäft.
Wie weit die Loslösung gehen soll, ist noch offen. Im Gespräch sind sowohl ein Teilverkauf als auch eine vollständige Ausgliederung. Als mögliche Interessenten für eine Beteiligung an Omterra gelten mehrere große Finanzinvestoren, darunter EQT, Bain, Brookfield und KKR.
Goldman Sachs begleitet den Prozess als beratende Bank. Der Konzern selbst wird auf einen Gesamtwert von etwa 130 Milliarden Euro taxiert – ein Vielfaches dessen, was die abzuspaltende Sparte allein auf die Waage bringt.
Kapitalbedarf als treibender Faktor
Hinter der Entscheidung steht auch ein handfestes Finanzierungsthema: Die Industriesparte benötigt kurzfristig zusätzliches Kapital, langfristig geht es um deutlich höhere Summen, während der Gesamtkonzern ein milliardenschweres Investitionsprogramm stemmt.
Eine eigenständige Kapitalstruktur für Omterra könnte diesen Zielkonflikt entschärfen und dem verbleibenden Konzern mehr Spielraum für seine Kernsegmente verschaffen. Gas Services und Grid Technologies gelten schon heute als margenstärkste Bereiche im Portfolio und sollen nach der Trennung noch stärker im Fokus der Kapitalallokation stehen.
Marktreaktion verhalten
An der Börse fiel die Reaktion auf die Nachricht bislang verhalten aus. Die Aktie handelte am heutigen Montag bei 143,16 Euro und damit 4,1 Prozent leichter als am Freitag, als sie noch bei 149,28 Euro geschlossen hatte.
Auf Wochensicht steht ein Minus von rund 3,9 Prozent zu Buche. Investoren scheinen die Details der Abspaltung – insbesondere Umfang und Zeitplan eines möglichen Verkaufs – zunächst abwarten zu wollen, statt die strukturelle Neuausrichtung sofort mit höheren Kursen zu honorieren.
Für die weitere Einschätzung dürfte entscheidend sein, wie schnell sich die kolportierten Investoreninteressen konkretisieren und welchen Preis der Markt für die margenstärkere, verschlankte Siemens Energy künftig zu zahlen bereit ist. Bis dahin bleibt die Umsetzung der Trennung die zentrale Beobachtungsgröße für Anleger.
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