Siemens Energy steht vor einer möglichen Weichenstellung. Der Aufsichtsrat plant für den 25. August eine Sondersitzung, in der über eine Abspaltung der Sparte „Transformation of Industry“ beraten werden soll, wie Reuters berichtet. Das Thema reiht sich ein in einen umfassenderen Umbaukurs, den Vorstandschef Christian Bruch bereits Ende Juli angedeutet hatte.
Härtere Renditeziele für die Sparten
Bruch hat laut manager magazin die internen Renditeziele für die Konzernsparten verschärft. Sparten, die diese Ziele dauerhaft verfehlen, riskieren demnach eine Trennung – perspektivisch könnten sogar zwei Divisionen aus dem Portfolio fallen.
Für November kündigte der Vorstandschef zudem neue, ambitioniertere Mittelfristziele an: Die Ergebnis-Marge vor Sondereffekten soll bis 2030 auf über 18 Prozent steigen, nach zuvor angepeilten 14 bis 16 Prozent bis 2028.
Diese Ankündigungen fallen in eine Phase, in der Siemens Energy operativ so stark dasteht wie selten zuvor. Vor gut einer Woche hatte der Konzern Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vorgelegt, die von Analysten positiv aufgenommen wurden – die Aktie legte seither um 5,8 Prozent zu.
Der Auftragseingang kletterte auf ein Rekordniveau von 17,9 Milliarden Euro, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,57, der Auftragsbestand stieg auf 162 Milliarden Euro.
Auch die einst kriselnde Windkraft-Tochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder schwarze Zahlen. Der Konzern bestätigte zugleich eine erhöhte Prognose für das laufende Geschäftsjahr mit Tendenz zum oberen Ende der Ergebnis-Marge-Spanne.
Kapital für Wachstum und Aktionäre
Der operative Rückenwind gibt Siemens Energy offenbar Spielraum für einen doppelten Kurs: Investieren und ausschütten zugleich. Der Konzern plant, zwischen 2026 und 2028 bis zu 10 Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe bereitzustellen.
Parallel sollen rund 2 Milliarden Euro in globale Transformator- und Schaltanlagenfabriken bis 2028 fließen, verbunden mit einer Erhöhung von Investitionen und Forschungsausgaben um 20 Prozent gegenüber der Vorperiode.
Bei der Windkraft-Sparte Siemens Gamesa läuft parallel eine Straffung der Fertigung: Von zehn Standorten im Jahr 2023 sollen bis Ende dieses Jahres nur noch vier übrig bleiben, mit Fokus auf Qualitätskontrolle und Kostensenkung.
Die Nachfrage bleibt laut Bruch robust, getrieben vor allem aus den USA. Der Vorstandschef betonte gegenüber Bloomberg, dass die Nachfrage nach Gasturbinen bis ins nächste Jahr stark bleiben dürfte – Künstliche Intelligenz sei dabei ein wichtiger, aber nicht der einzige Treiber der globalen Elektrifizierung.
Kurs nahe am Rekordhoch
An der Börse spiegelt sich diese Entwicklung deutlich. Die Aktie notiert aktuell bei 163,00 Euro und legte allein am heutigen Mittwoch um 2,7 Prozent zu. Damit liegt der Kurs rund 17 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April erreicht wurde, aber 95 Prozent über dem Tief von 83,38 Euro vom September vergangenen Jahres.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 35 Prozent zu Buche. Die Entscheidung des Aufsichtsrats am 25. August dürfte für Anleger die nächste richtungsweisende Nachricht sein, denn sie könnte die künftige Konzernstruktur von Siemens Energy grundlegend verändern.
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