Siemens Energy musste am heutigen Dienstag einen deutlichen Rücksetzer hinnehmen: Die Aktie gab um 3,3 Prozent nach und schloss den Handelstag bei 157,60 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 163,00 Euro gestanden hatte.
Marktbeobachter werten den Rückgang als technische Korrektur und Gewinnmitnahmen nach der kräftigen Kursrallye der vergangenen Wochen. Hinzu kommt Medienberichten zufolge eine wachsende Skepsis, wie schnell sich die vielbeachteten KI-bezogenen Großaufträge tatsächlich in Umsatzerlöse übersetzen lassen.
Trotz des Rücksetzers bleibt die Aktie im laufenden Jahr klar im Plus: Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 31 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sogar von 63 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das Ende April markiert wurde, beträgt der Abstand nun 19 Prozent – ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten Schwäche noch reichlich Spielraum nach oben besteht, sollte sich das Momentum wieder drehen.
Neuer Auftrag für Offshore-Windpark
Operativ lieferte Siemens Energy am heutigen Tag durchaus positive Nachrichten. Ocean Breeze Energy erteilte dem Konzern einen Auftrag im Millionenwert zur Modernisierung der Frequenzumrichter von 80 Windkraftanlagen im Offshore-Windpark „Bard Offshore 1“.
Die Nachrüstung mit moderner Halbleitertechnik soll schrittweise zwischen Ende 2026 und 2032 erfolgen – ein langfristiges Servicegeschäft, das dem Konzern über Jahre hinweg planbare Einnahmen sichert.
Der Auftrag reiht sich in eine ganze Serie jüngerer Geschäftsabschlüsse ein. Erst vor rund einer Woche hatte das US-Unternehmen Babcock & Wilcox eine Vereinbarung über 20 Dampfturbinen-Generatorsätze mit einer Gesamtleistung von 1 Gigawatt für den Einsatz in KI-Rechenzentren unterzeichnet.
Auch der brasilianische Energiekonzern Petrobras beauftragte Siemens Energy über SBM Offshore mit der Lieferung von Gaskompressions- und Stromerzeugungssystemen für zwei FPSO-Projekte im Sergipe-Alagoas-Becken.
Management bekräftigt Jahresziele
Im Rahmen von Investorengesprächen am Montag bestätigte das Management die Guidance für das Geschäftsjahr 2026 und bekräftigte, dass die Windtochter Siemens Gamesa im laufenden Turnus die Gewinnschwelle erreichen soll.
CEO Christian Bruch hatte zuvor betont, die Nachfrage nach Gasturbinen bleibe robust und gehe über den reinen KI-Sektor hinaus. Zugleich warnte er vor industrieweiten Kapazitätsengpässen bei der Abarbeitung des Rekord-Auftragsbestands – ein Thema, das die Wachstumsstory des Konzerns mittelfristig bremsen könnte.
Parallel dazu treibt Siemens Energy den Ausbau der eigenen Fertigung voran: Vergangene Woche kündigte der Konzern an, die Kapazitäten für Transformatoren und gasisolierte Schaltanlagen bis 2030 um rund 50 Prozent zu erweitern, um vor allem die Nachfrage der US-Netzinfrastruktur zu bedienen.
Blick auf die Quartalszahlen und mögliche Strukturreform
Fundamentalen Rückhalt liefern die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, die Anfang August vorgelegt wurden: Der Umsatz stieg um 17,5 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro, der Nettogewinn kletterte auf 1,2 Milliarden Euro nach 697 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt eine mögliche strategische Neuausrichtung der Industriesparte „Transformation of Industry“ mit rund 17.000 Mitarbeitern. Berichten zufolge stehen eine Abspaltung oder ein Teilverkauf zur Debatte; eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats zu diesem Thema ist für den 25. August terminiert.
Anleger dürften diesem Termin in den kommenden Tagen besondere Aufmerksamkeit schenken, da eine Entscheidung die Konzernstruktur nachhaltig verändern würde. Die nächste reguläre Bilanzvorlage – die Zahlen zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr 2026 – ist für den 11. November angesetzt.
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