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Siemens Energy Aktie: 4,02 Prozent nach GE-Vernova-Zahlen

Siemens Energy leidet unter Branchenschwäche im Windsegment, während Gasturbinen- und Netzgeschäft boomen. Analysten sehen Kurspotenzial.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie verliert nach GE-Vernova-Zahlen
  • Windbranche unter Vertrauensdruck
  • Gasturbinengeschäft läuft stark
  • Quartalszahlen am 5. August erwartet

Manchmal reicht ein einziger Quartalsbericht auf der anderen Seite des Atlantiks, um eine ganze Branche ins Wanken zu bringen. Genau das ist gestern passiert: Enttäuschende Zahlen und ein gesenkter Ausblick im Windsegment des US-Konzerns GE Vernova schickten Anleger weltweit in Deckung – und Siemens Energy traf es besonders hart. Die Aktie verlor gestern 4,02 Prozent und schloss bei 133,12 Euro. Wer die vergangenen Wochen verfolgt hat, kennt das Muster: Binnen 30 Tagen hat das Papier gut ein Fünftel seines Wertes eingebüßt, nachdem es im April noch ein Rekordhoch von 195,54 Euro markiert hatte.

Was diesen Kursrutsch besonders bemerkenswert macht: Er hat mit dem operativen Geschäft von Siemens Energy selbst wenig zu tun. Es ist ein Vertrauensproblem, das die gesamte Windkraft-Industrie erfasst hat – und das zeigt, wie eng die Aktie noch immer mit der Erzählung von der grünen Transformation verknüpft ist, obwohl das Unternehmen längst mehr ist als ein Wetten-Vehikel auf Ökostrom.

Zwei Geschichten in einem Konzern

Genau darin liegt die eigentliche Spannung dieser Aktie. Auf der einen Seite steht das Windgeschäft, das gerade branchenweit unter Druck gerät. Auf der anderen Seite läuft das Gasturbinen- und Netzgeschäft so gut, dass UBS-Analyst Christopher Leonard die Aktie am 20. Juli von „Neutral“ auf „Buy“ hochstufte und sein Kursziel von 175 auf 210 Euro anhob – ausdrücklich begründet mit der starken Dynamik im Gasturbinengeschäft. Zwei Tage später bekräftigte JPMorgan die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 235 Euro. Beide Häuser sehen also deutlich mehr Potenzial, als der aktuelle Kurs widerspiegelt – ein Kontrast, der die Frage aufwirft, ob der Markt gerade das falsche Segment in den Vordergrund stellt.

Der technische Blick auf die Aktie liefert dazu ein passendes Bild: Der RSI steht bei 32,8, ein Wert, der auf eine überverkaufte Situation hindeutet. Das ersetzt keine fundamentale Einschätzung, zeigt aber, wie stark die jüngste Verkaufswelle das Sentiment belastet hat, während operativ längst nicht alles nach unten zeigt.

Der Konzern baut an mehreren Fronten gleichzeitig

Während die Aktie schwankt, treibt Siemens Energy im Hintergrund einen bemerkenswerten Umbau voran. Am 14. Juli begannen die Vorbereitungen für ein Rebranding zur Marke „Omterra“ – ein Schritt, der die Lizenzabhängigkeit von der Siemens AG beenden und jährlich Lizenzgebühren im dreistelligen Millionenbereich einsparen soll. Das ist mehr als Kosmetik: Es ist der Versuch, sich als eigenständiger Akteur der Energiewende zu positionieren, statt im Schatten des Mutterkonzerns zu stehen.

Parallel dazu expandiert das Unternehmen in den USA. Am 17. Juli erfolgte in Mississippi der Spatenstich für ein neues Transformatorenwerk, mit dem Gouverneur Tate Reeves den steigenden Bedarf an Netzinfrastruktur adressieren will. Gestern folgte der nächste Schritt Richtung amerikanischer Kapitalmarkt: Der Handel von American Depositary Receipts im Top-Segment OTCQX startete, um US-Privatanlegern und kleineren institutionellen Investoren den Zugang zur Aktie zu erleichtern. Und am Montag wurde bekannt, dass Siemens Energy erstmals gemeinsam mit einer deutschen Werft eine 2-Gigawatt-Konverterplattform für Offshore-Windenergie bauen will – ein Signal, dass man auch im schwächelnden Windsegment nicht aufgibt, sondern lokale Fertigungskapazitäten sichert.

Nebenbei läuft der Aktienrückkauf weiter: In der vergangenen Handelswoche erwarb der Konzern 637.140 eigene Aktien zu einem gewichteten Durchschnittskurs von rund 152,52 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau, was zeigt, wie schnell sich das Kursbild seither eingetrübt hat.

Der Termin, der alles einordnen wird

Am 5. August legt Siemens Energy die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres vor. Analysten erwarten im Konsens einen Umsatz von rund 11,20 Milliarden Euro und ein Ergebnis je Aktie von 1,17 Euro. Erst dann wird sich zeigen, ob die Ansteckung durch GE Vernova berechtigt war oder ob der Markt gerade eine Aktie abstraft, die operativ auf zwei stabilen Beinen steht, während nur eines davon gerade wackelt. Bis dahin bleibt die Aktie das, was sie in den vergangenen Monaten oft war: ein Stimmungsbarometer für die gesamte Energiewende, empfindlicher für fremde Nachrichten als für eigene.

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Diskussion zu Siemens Energy

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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