Mehr als ein Viertel aller Gasaufträge kommt inzwischen aus dem Rechenzentrumssektor. Siemens Energy profitiert direkt vom globalen KI-Infrastrukturboom — und CEO Christian Bruch nutzt das als Bühne für eine scharfe Warnung an den Standort Deutschland.
Rechenzentren dominieren das Gasgeschäft
Der Wandel ist konkret messbar. Über 25 % des Auftragsbestands im Bereich Gas Services entfallen auf die Energieversorgung von Rechenzentren. Im Netzgeschäft liegt dieser Anteil noch unter 10 %.
Hinter dem Wachstum stecken die großen Tech-Konzerne. Alphabet, Meta, Amazon und Microsoft planen für 2026 gemeinsam rund 800 Milliarden USD an Infrastrukturinvestitionen. McKinsey prognostiziert bis 2030 weltweite Ausgaben von bis zu 7 Billionen USD für den Ausbau von Datenkapazitäten. Siemens Energy liefert die Gasturbinen für die Stromversorgung dieser Standorte.
Bruchs Warnung: Deutschland riskiert den Anschluss
Trotz voller Auftragsbücher klingt Bruch alarmiert. Deutschland verfügt aktuell über rund 3 Gigawatt Rechenzentrumskapazität — davon nur 500 Megawatt für KI-Anwendungen. Geplant sind 6 Gigawatt. Ob das reicht, ist fraglich.
Als Beispiel nennt Bruch das gestoppte Rechenzentrum von Edgeconnex in Maintal bei Frankfurt. Das Projekt scheiterte an Streitigkeiten um ein geplantes Gaskraftwerk. Die Folge: Softbank investiert 50 Milliarden USD in Frankreich — nicht in Deutschland.
Bruch fordert klare nationale Ziele. Nur so lasse sich das Training von KI-Modellen auf Basis industrieller Daten im Land halten.
Europas Strombedarf explodiert
Das Problem beschränkt sich nicht auf Deutschland. EU-Kommissar Dan Jörgensen will die europäische Rechenzentrumskapazität von 12 auf 28 Gigawatt ausbauen — bis Anfang der 2030er Jahre. Der Stromverbrauch des Sektors liegt heute bei 2,5 % des EU-weiten Bedarfs. Bis 2030 könnte er sich verdoppeln.
International zeigt Irland, wohin die Reise geht. Rechenzentren verbrauchen dort bereits über 20 % des gesamten Stroms. Im Raum Dublin sind es rund 50 %. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf 950 Terawattstunden steigt — doppelt so viel wie heute.
Aktie mit starkem Jahresplus, aber unter Hochs
Die Aktie notiert bei 155,70 € und liegt damit seit Jahresbeginn rund 27 % im Plus. Vom April-Hoch bei 195,54 € ist sie allerdings noch über 20 % entfernt. Das durchschnittliche Analystenpreisziel liegt bei 186,30 €. Aktuelle Quartalszahlen folgen am 5. August 2026 — dann dürfte auch der Rechenzentrumsanteil im Auftragsbestand wieder genau unter die Lupe kommen.
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