Goldman Sachs nimmt Siemens Energy in seine europäische Favoritenliste auf, ein Großauftrag aus Taiwan landet im Orderbuch, und das Management startet heute eine Investorentour durch Europa. Selten treffen so viele positive Signale auf einmal zusammen.
Goldman sieht 2030-Gewinn zehn Prozent über Konsens
Analyst Ajay Patel begründete die Aufnahme in die „European Conviction List – Directors‘ Cut“ mit einer strukturell verbesserten Ertragsperspektive. Seine These: Siemens Energy profitiert überproportional vom steigenden Strombedarf durch KI-Rechenzentren und die Modernisierung globaler Stromnetze. Das operative Ergebnis für 2030 könnte rund zehn Prozent über dem aktuellen Marktkonsens liegen — mit Potenzial für weitere Anhebungen der mittelfristigen Ziele.
Patel sieht außerdem Spielraum für neue Impulse bei den Aktionärsausschüttungen, sobald die kommende Geschäftsjahresbilanz vorliegt. Das laufende Rückkaufprogramm läuft bereits: Die erste Tranche des milliardenschweren Aktienrückkaufs ist abgeschlossen, bis 2028 sollen insgesamt rund 6 Milliarden Euro an Anteilseigner zurückfließen.
Taiwan-Auftrag sichert planbare Erlöse
Parallel zur Analysteneinschätzung meldete Siemens Energy einen Vertragsabschluss mit der taiwanischen Mai-Liao Power Corporation. Das Projekt umfasst ein Kraftwerk mit 2.400 Megawatt Gesamtkapazität — vier Gasturbinen der HL-Klasse, Dampfturbinen, Generatoren und Hilfssysteme.
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Besonders wertvoll: Langfristige Serviceverträge sichern wiederkehrende Erlöse über den Bau hinaus. Die Anlage soll Ende 2029 in Betrieb gehen, Kohlekapazitäten ersetzen und rund fünf Prozent der gesamten Stromerzeugung Taiwans abdecken.
Roadshow und starke Sparte
Heute Abend startet das Management auf dem Berenberg Innovation Seminar in Zürich eine europäische Investorentour, die noch München, Kopenhagen und Stockholm umfasst. Im Mittelpunkt steht die im Mai angehobene Jahresprognose — und zwei Wachstumstreiber: die Transformation der Windtochter Siemens Gamesa sowie die Sparte Grid Technologies, die für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von 25 bis 27 Prozent anpeilt.
An der Börse spiegelt sich der Newsflow bislang verhalten wider. Die Aktie schloss gestern bei 160,90 Euro — knapp über der 100-Tage-Linie bei 159 Euro, aber rund 14 Prozent unter dem April-Hoch von 188 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von über 83 Prozent zu Buche. Die Frage ist, ob die Dreifach-Nachricht ausreicht, die Konsolidierung der vergangenen Wochen zu beenden und den Aufwärtstrend wieder aufzunehmen — das nächste Signal dürfte die Reaktion institutioneller Investoren auf der Roadshow liefern.
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