Elon Musk bringt Siemens Energy neue Aufmerksamkeit – allerdings ungewollt. Weil SpaceX wegen langer Wartezeiten bei Gasturbinen den Ausbau seiner Rechenzentren verzögert sieht, prüft das Unternehmen laut Medienberichten, künftig eigene Turbinenschaufeln herzustellen.
Der Vorstoß setzte die Aktie von Siemens Energy am Montag unter Druck und wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das die gesamte Branche betrifft: Gasturbinen sind derzeit ein Knappheitsgut.
Der Bloomberg-Intelligence-Analyst Omid Vaziri ordnete den SpaceX-Plan als Beleg für die allgemeine Turbinen-Verknappung ein, sah für Siemens Energy aber keinen Anlass zur Sorge. Das Unternehmen baue intern bereits Kapazitäten für Keramikkerne und Gussverfahren aus, um Engpässe bei kurzfristigen Lieferungen zu entschärfen.
Die Nachricht liefert damit weniger eine Bedrohung als eine Bestätigung: Die Nachfrage nach Gasturbinen übersteigt das Angebot – ein Umstand, von dem Siemens Energy als Anbieter grundsätzlich profitiert, auch wenn Kunden wie SpaceX ungeduldig werden.
Rekordauftragseingang untermauert die Nachfragesituation
Dass die Nachfrage nach Energietechnik ungebrochen ist, zeigten bereits die jüngsten Quartalszahlen. Für das dritte Geschäftsquartal meldete Siemens Energy Anfang August einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Der Auftragsbestand kletterte auf 162 Milliarden Euro, der Umsatz legte vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zu.
Das Ergebnis vor Sondereffekten verdreifachte sich nahezu auf 1,62 Milliarden Euro. Auch die Windturbinentochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis. Das Management bestätigte seine Jahresprognose mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent und einer operativen Marge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent.
Vor diesem Hintergrund liest sich der SpaceX-Vorstoß weniger als Wettbewerbsgefahr denn als Symptom eines strukturellen Nachfrageüberhangs, den Siemens Energy mit vollen Auftragsbüchern bereits verbucht.
Analysten bleiben trotz Volatilität optimistisch
Am Dienstag bekräftigte JPMorgan die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 245 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau von 141,28 Euro. Die Bank sieht demnach erhebliches Aufwärtspotenzial, das durch das operative Momentum und die Nachfragesituation gestützt wird.
Die Aktie selbst zeigt sich nach den turbulenten Wochen um die Aufspaltung der Industriesparte und die SpaceX-Meldung noch nicht vollständig erholt. Sie notiert rund 7,9 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und hat auf Sicht von sieben Tagen 7,0 Prozent verloren.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 17 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Anstieg von 67 Prozent – ein Beleg dafür, dass der jüngste Rückgang eher als Verdauung der starken Vormonate zu lesen ist als als fundamentaler Bruch.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Kurzfristig sorgen Nachrichten wie der SpaceX-Plan für Nervosität, weil sie die Knappheit im Turbinengeschäft in Erinnerung rufen. Mittelfristig aber ist genau diese Knappheit der Treiber hinter Rekordaufträgen und optimistischen Kurszielen der Analysten.
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