Siemens Energy notiert am Freitag bei 153,38 Euro und legt im Tagesverlauf um 1,0 Prozent zu. Damit setzt die Aktie nach einer schwächeren Handelswoche, in der das Papier um 4,5 Prozent nachgab, zur Erholung an. Zwei Analysehäuser haben am heutigen Freitag ihre Einschätzung zum Titel erneuert und begründen ihren Optimismus mit der ungebrochenen Nachfrage aus dem Rechenzentrums-Geschäft.
Bernstein und RBC setzen auf den KI-Boom
Bernstein Research bestätigt die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 210 Euro. Die Analysten stützen sich auf eine Umfrage unter Einkäufern von Rechenzentren, die eine anhaltend starke Nachfrage nach Strom- und Kühlungstechnik durch den KI-Boom belegt.
RBC Capital Markets senkt sein Kursziel zwar geringfügig von 210 auf 200 Euro, bleibt jedoch ebenfalls bei „Outperform“ und bezeichnet Siemens Energy nach Auswertung der Sektor-Quartalsberichte als besonders aussichtsreichen Titel.
Beide Kursziele liegen deutlich über dem aktuellen Niveau von 153,38 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das am 24. April erreicht wurde, fehlen der Aktie derzeit 21 Prozent – ein Abstand, der die Skepsis mancher Anleger seit der Diskussion über eine mögliche Konzernabspaltung am vergangenen Sonntag widerspiegelt.
CEO Bruch widerspricht Blasen-Sorgen
Vorstandschef Christian Bruch wies am Donnerstag in einem Interview mit Bloomberg TV Sorgen vor einer Überhitzung im Rechenzentrums-Sektor zurück. Reservierungen von Kunden würden derzeit nahezu eins zu eins in feste Aufträge umgewandelt, betonte Bruch.
Diese Aussage dürfte für Anleger relevant sein, weil sie die Sorge entkräftet, ein Großteil der angekündigten Rechenzentrums-Projekte könnte sich als bloße Absichtserklärung erweisen statt in tatsächliche Bestellungen zu münden.
Untermauert wird diese Zuversicht durch die jüngsten Geschäftszahlen. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Siemens Energy einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro.
Der Gewinn vor Sondereffekten kletterte auf 1,623 Milliarden Euro, nach 497 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Management bestätigte zudem die Jahresprognose 2026 und rechnet nun mit einer Ergebnismarge vor Sondereffekten am oberen Ende der Spanne von 10 bis 12 Prozent.
Windkraftsparte kehrt in die Gewinnzone zurück
Auch die einstige Problemtochter Siemens Gamesa liefert positive Signale: Im dritten Quartal erzielte die Windkraftsparte erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Ergebnis und trug damit maßgeblich zur verbesserten Konzernprofitabilität bei.
Parallel dazu treibt Siemens Energy die Expansion voran: Der Konzern kündigte eine Investition von 1 Milliarde US-Dollar in den USA an, um die Produktionskapazitäten für Gasturbinen und Netzprodukte auszubauen und Lieferengpässe bis zum Ende des Jahrzehnts zu vermeiden.
Zusätzlich einigte sich das Unternehmen auf die Übernahme des Netztechnologie-Spezialisten Camlin Group, um das Portfolio im Bereich Grid Technologies zu stärken.
Die Kombination aus Rekordauftragsbuch, zurückgewonnener Windkraft-Profitabilität und der klaren Bestätigung der KI-getriebenen Nachfrage durch das Management liefert den Analysten damit die fundamentale Basis für ihre optimistischen Kursziele – trotz der zuletzt volatilen Kursentwicklung rund um die Diskussion über die künftige Konzernstruktur.
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