Ein Konzern schreibt Geschichte, doch die Börse straft ihn ab. Siemens hat im dritten Geschäftsquartal so gut verdient wie nie zuvor und die Jahresprognose angehoben. Die Aktie reagierte trotzdem mit einem der schwächsten Handelstage seit Monaten und verlor zeitweise rund fünf Prozent auf etwa 270,90 Euro.
Bestwerte auf breiter Front
Der Auftragseingang kletterte um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, angetrieben von der Sparte Smart Infrastructure. Der Auftragsbestand erreichte mit 132 Milliarden Euro ebenfalls einen Rekordwert. Konzernchef Roland Busch sprach von technologischer Führerschaft in allen Geschäftsbereichen und zeigte sich zuversichtlich, dass der KI-Boom auch 2027 anhält.
Beim Umsatz stand ein Plus von sieben Prozent auf rund 20,8 Milliarden Euro zu Buche. Das Industriegeschäft legte beim Ergebnis um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro zu, unter dem Strich blieben 2,6 Milliarden Euro Gewinn übrig — 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Siemens hob daraufhin die Ergebnisprognose je Aktie auf 11,20 bis 11,50 Euro an, zuvor waren 10,70 bis 11,10 Euro in Aussicht gestellt.
Warum der Markt trotzdem verkauft
Die Erklärung liegt weniger in den Zahlen selbst als in den Erwartungen. RBC-Analyst Mark Fielding merkte an, der Konsens habe die neue Gewinnprognose bereits vorweggenommen. JPMorgan-Analyst Phil Buller lobte zwar das breit angelegte Wachstum, das für steigende Ziele gesorgt habe. Am Ende überwog jedoch die Neigung zu Gewinnmitnahmen — schließlich hatte die Aktie erst tags zuvor ein Rekordhoch markiert. Ein Teil des starken Industrieergebnisses geht zudem auf Zollrückerstattungen in den USA zurück, vor allem bei der Medizintechniktochter Siemens Healthineers — ein Effekt, der sich nicht beliebig wiederholen lässt.
Healthineers-Trennung nimmt Formen an
Parallel zu den Zahlen kommt der geplante Rückzug aus der Medizintechniktochter voran. Finanzvorständin Veronika Bienert erklärte, die steuerlichen Fragen mit den Behörden seien verbindlich geklärt. Busch kündigte an, seine und Bienerts Aufsichtsratsmandate bei Healthineers niederzulegen — wirksam zur nächsten Hauptversammlung des Unternehmens im Februar 2027.
Weitere Details zur Abspaltung will Siemens im November mit den Jahreszahlen nachliefern. Die endgültige Abstimmung der Aktionäre beider Unternehmen ist für die Hauptversammlungen im kommenden Jahr vorgesehen.
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