Rekordauftragsbestand, angehobene Jahresprognose, eine milliardenschwere KI-Partnerschaft mit NVIDIA – und trotzdem notiert die Aktie unter ihrer 200-Tage-Linie. Warum der Markt die operativen Glanzleistungen von Siemens bislang nicht honoriert, lässt sich mit zwei Worten erklären: Umbau und Unsicherheit.
Operative Stärke in Zahlen
Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 lieferte beeindruckende Zahlen. Der Auftragseingang kletterte um zehn Prozent auf 21,4 Milliarden Euro, der Umsatz stieg um acht Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie verbesserte sich von 2,22 auf 2,80 Euro. Besonders markant: Der Auftragsbestand erreichte mit 120 Milliarden Euro einen Rekordwert. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,12 zeigt, dass neue Bestellungen schneller eingehen, als sie in Umsatz umgewandelt werden können – ein solides Fundament für die Folgequartale.
Auf dieser Basis hob das Management die Jahresprognose für das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 10,70 bis 11,10 Euro an. Wachstumstreiber Nummer eins ist das Rechenzentrumsgeschäft, das dank robuster US-Nachfrage nach Cloud- und KI-Infrastruktur ein Umsatzplus von 35 Prozent verzeichnete.
Drei Faktoren belasten den Kurs
Trotz dieser Zahlen steht die Aktie seit Jahresbeginn rund fünf Prozent im Minus und notiert knapp unter der viel beachteten 200-Tage-Linie. Drei Faktoren erklären die Zurückhaltung der Anleger.
Erstens: die geplante Abspaltung von Siemens Healthineers. Der Konzern will seine Mehrheitsbeteiligung aufgeben und rund 30 Prozent der Healthineers-Aktien direkt an die eigenen Aktionäre übertragen. Die Unternehmensgremien haben den Plan gebilligt, doch die endgültige Zustimmung durch Hauptversammlung und Regulatoren steht noch aus. Konkrete Details zu Struktur und Zeitplan sollen erst Anfang des zweiten Quartals 2026 folgen. Marktbeobachter werten eine solche Fokussierung auf das industrielle Kerngeschäft langfristig positiv – bis zur Klarheit bleibt aber Abwartehaltung angesagt.
Zweitens: der CFO-Wechsel. Zum 1. April 2026 übernimmt Veronika Bienert das Finanzressort von Ralf P. Thomas, der nach über einem Jahrzehnt im Amt abtritt. Solche Führungswechsel erzeugen erfahrungsgemäß kurzfristig Unsicherheit bei institutionellen Investoren.
Drittens: das Tempo des Konzernumbaus. Mit der abgeschlossenen Übernahme von Altair Engineering für rund zehn Milliarden US-Dollar, dem 200-Millionen-Euro-Investitionsprogramm zur Umwandlung des Standorts Amberg in eine KI-Fabrik und der NVIDIA-Partnerschaft für vollständig KI-gesteuerte Fertigungsstandorte stemmt Siemens gleichzeitig mehrere Großprojekte. Das kostet Kapital – und Vertrauen braucht Zeit.
Um dem Kurs zumindest etwas Unterstützung zu geben, beschleunigt Siemens sein Aktienrückkaufprogramm. Bereits 4,4 Milliarden Euro wurden eingesetzt; im März sollen 18 Millionen eigene Aktien eingezogen werden, was die Gesamtzahl der ausstehenden Aktien auf rund 782 Millionen reduziert.
Schlüsselereignisse im zweiten Quartal
Ob die operative Stärke den Kurs wieder über die 200-Tage-Linie trägt, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. Anfang des zweiten Quartals 2026 erwartet der Markt konkrete Details zur Healthineers-Transaktion – inklusive steuerlicher Struktur und verbindlichem Zeitplan. Am 13. Mai folgen dann die Q2-Zahlen. Bestätigt das Kerngeschäft seine Dynamik und liefert CEO Roland Busch einen überzeugenden Fahrplan für den Konzernumbau, dürfte die Diskrepanz zwischen fundamentaler Stärke und Kursschwäche kaum Bestand haben.
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