Siemens stellt bei neuen KI-Anwendungen für die Fertigung konkrete Effizienzpotenziale in Aussicht. Gemeinsam mit NVIDIA präsentierte das Unternehmen gestern im Elektronikwerk Erlangen Anwendungen für autonome Produktion. Der entscheidende Punkt für Anleger: Siemens nennt erhebliche mögliche Einsparungen, meldet damit aber noch keine entsprechend realisierten Ergebnisbeiträge.
Große Potenziale mit klaren Vorbehalten
Nach Angaben von Siemens kann der virtuelle Produktionsanlauf den Engineering-Aufwand um bis zu 85 Prozent senken. Agentenbasierte Produktionsplanung kann demnach Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent ermöglichen. Beide Angaben beschreiben mögliche Verbesserungen und keine bereits erreichten konzernweiten Einsparungen.
Damit liefert Siemens konkrete Größenordnungen für den wirtschaftlichen Nutzen der vorgestellten Anwendungen. Die Einschränkung „bis zu“ ist dabei wesentlich: Die genannten Werte sind weder eine allgemeine Einsparzusage noch eine Gewinnprognose. Für Anleger liegt die Bedeutung zunächst im möglichen Kundennutzen der Technik.
Die gemeinsame Präsentation mit NVIDIA macht diesen Nutzen zum zentralen Thema. Für die Bewertung der Nachricht müssen jedoch Anwendungspotenzial und finanzielles Ergebnis getrennt bleiben. Aus den genannten Effizienzgrößen allein lässt sich kein zusätzlicher Umsatz oder Gewinn für Siemens ableiten.
Auftrag und Partnerschaft als Ergänzung
Eine andere wirtschaftliche Qualität besitzt der am Donnerstag bekannt gegebene Auftrag für Siemens Mobility. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und der Regionalverband Großraum Braunschweig vergaben einen Auftrag über 113 dreiteilige Mireo-Plus-B-Batteriezüge. Einschließlich Wartung und Depots beträgt der Wert mehr als zwei Milliarden Euro.
Anders als die möglichen Effizienzgewinne der KI-Anwendungen handelt es sich hierbei um einen vergebenen Auftrag. Diese Unterscheidung ist für die Einordnung wichtig: Technologische Leistungsversprechen und vertraglich vereinbartes Geschäft sind unterschiedliche Grundlagen einer Anlageentscheidung.
Daneben gab Siemens am 14. Oktober eine strategische Investition und eine exklusive Partnerschaft mit Skeleton Technologies bekannt. Dessen Superkondensator-Technologie soll in das Stromversorgungsportfolio für Rechenzentren integriert werden. Siemens erhielt Exklusivität für Verkauf und Skalierung der Produkte in diesem Markt.
Höheres Kursziel, vorsichtigeres Urteil
Auch die Analystenbewertung fällt nicht eindeutig aus. Medienberichten zufolge stufte Jefferies Siemens am Donnerstag von „Buy“ auf „Hold“ ab. Gleichzeitig erhöhte das Analysehaus sein Kursziel von 277 auf 300 Euro.
Ein höheres Kursziel bedeutet somit nicht automatisch eine positivere Anlageempfehlung. Für Anleger ergibt sich ein differenziertes Bild: Siemens präsentiert neue technologische Möglichkeiten und meldet zugleich konkretes Geschäft. Die KI-Einsparpotenziale bleiben dabei ein Leistungsversprechen, dessen finanzielle Bedeutung nicht mit dem Wert eines erteilten Auftrags gleichgesetzt werden darf.
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