Rekordauftragsbestand, angehobene Jahresprognose, ein Quartalsergebnis das überzeugt — und trotzdem notiert die Aktie rund 20 Prozent unter ihrem Februar-Hoch. Bei Siemens klaffen operative Realität und Kursentwicklung derzeit weit auseinander.
Der Industriegewinn im ersten Quartal 2026 stieg um 15 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, die Auftragseingänge legten vergleichbar um 10 Prozent auf 21,4 Milliarden Euro zu. Das Segment Digital Industries wuchs sogar um 37 Prozent — befeuert von Rechenzentrum-Deals im Volumen von 1,8 Milliarden Euro allein in diesem Quartal. Der Auftragsbestand erreichte mit 120 Milliarden Euro einen Rekordwert.
Zölle als Prüfstein
Was die Zahlen glänzen lässt, trübt der Blick auf das Handelsumfeld. Die Europäische Kommission einigte sich mit der US-Regierung auf einen Zollsatz von 15 Prozent für EU-Exporte — für Siemens, das Automatisierungstechnik und Infrastrukturlösungen in die USA liefert, bedeutet das eine potenzielle Mehrbelastung von bis zu 500 Millionen Euro. Hinzu kommen Währungsgegenwind und eine breite DAX-Korrektur. Mit rund 214 Euro liegt die Aktie klar unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts von 235 Euro.
Das Management hält dennoch an seiner Jahresprognose fest — und hob sie nach dem starken Jahresauftakt sogar an. Für 2026 erwartet Siemens ein Ergebnis je Aktie zwischen 10,70 und 11,10 Euro. Wie stark die Zollbelastung im laufenden zweiten Quartal auf die Margen durchschlägt, lässt sich erst am 13. Mai beziffern, wenn die Q2-Zahlen veröffentlicht werden.
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Umbau und Führungswechsel
Parallel zur Zolldebatte läuft ein tiefgreifender Konzernumbau. CEO Roland Busch plant im Rahmen seiner „One Tech Company“-Strategie, die Divisionen Digital Industries und Smart Infrastructure in sechs bis sieben kleinere Einheiten aufzuteilen, die direkt dem Vorstand unterstehen. Der Plan soll voraussichtlich im Mai mit Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertretern besprochen werden. Wie sich die Reorganisation auf Segmentberichterstattung, Margen und Kapitalallokation auswirkt, beobachten Marktteilnehmer genau — zumal das aktuelle KGV von rund 20,9 bereits über dem Branchendurchschnitt von 17,6 liegt.
Gleichzeitig hat Siemens die Führung der Finanzabteilung neu geordnet: Veronika Bienert übernahm zum 1. April 2026 das CFO-Amt von Ralf Thomas, der das Management Board am 13. Mai verlässt und anschließend bis Dezember 2026 als Sonderberater tätig bleibt.
Auf der Hannover Messe am 20. April präsentiert Siemens Industrial-AI-Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette — ein erster öffentlicher Auftritt der neuen Führungsstruktur. Die eigentliche Bewährungsprobe folgt dann mit den Q2-Zahlen im Mai: Sie werden zeigen, ob der Rekordauftragsbestand unter veränderten Handelsbedingungen seinen Wert behalten kann.
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