Die Siemens-Aktie fängt sich am Freitag deutlich: Das Papier legt um 1,92 Prozent auf 278,85 Euro zu und macht damit einen Teil der Verluste vom Donnerstag wett, als der Kurs trotz eines Rekordquartals auf 273,60 Euro gefallen war. Anleger hatten nach der Zahlenvorlage offenbar Gewinne mitgenommen – nun rücken die operativen Fortschritte des Industriekonzerns wieder in den Vordergrund. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch fehlen dem Papier noch 4,26 Prozent.
Rekordauftragseingang und höhere Prognose
Siemens hat im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni ein Rekordergebnis eingefahren. Der Auftragseingang kletterte um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, einen historischen Höchstwert. Der Umsatz stieg auf 20,8 Milliarden Euro, vergleichbar ein Plus von 8 Prozent. Das industrielle Ergebnis legte um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zu, die Marge verbesserte sich auf 17,3 Prozent von 14,9 Prozent im Vorjahr. Der Nettogewinn stieg um 16 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro, der freie Cashflow verbesserte sich von 2,9 auf 4,1 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand erreichte 132 Milliarden Euro.
Gestützt wurde das Ergebnis auch von US-Zollrückerstattungen in Höhe von rund 200 Millionen Euro. Besonders stark entwickelten sich die Sparten Digital Industries und Smart Infrastructure: Digital Industries steigerte den Umsatz um 10 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, das Ergebnis sprang um 44 Prozent auf 923 Millionen Euro. Smart Infrastructure kam auf 6,4 Milliarden Euro Umsatz (plus 13 Prozent) und ein Ergebnis von 1,27 Milliarden Euro, ein Plus von 19 Prozent. Die Sparte Mobility blieb mit 280 Millionen Euro dagegen leicht hinter dem Vorjahreswert zurück. Angetrieben wurde die Nachfrage laut Berichten auch von der wachsenden Bedeutung künstlicher Intelligenz für Rechenzentren und Infrastruktur.
Auf Basis der starken Entwicklung hob der Konzern seine Gewinnprognose an: Für das Geschäftsjahr 2025/26 erwartet Siemens nun ein Ergebnis je Aktie von 11,20 bis 11,50 Euro, zuvor waren 10,70 bis 11,10 Euro angepeilt. Beim Umsatzwachstum rechnet der Konzern weiterhin mit 6 bis 8 Prozent.
Analysten reagieren positiv
Die Reaktion der Analysten fiel überwiegend zustimmend aus. UBS hob das Kursziel von 310 auf 330 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Andre Kukhnin begründete den Schritt mit optimierten Schätzungen für Smart Infrastructure, während er die Einschätzung zu Digital Industries unverändert ließ. JPMorgan beließ Siemens auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 345 Euro. Analyst Phil Buller lobte, die Zahlen hätten die Erwartungen übertroffen, merkte aber an, dass in der Sparte Digital Industries neue Großaufträge ausblieben – die Aktie bleibe seiner Einschätzung nach dennoch attraktiv bewertet.
Der kräftige Auftragseingang fällt zudem in ein günstiges Branchenumfeld: Nach Daten des Maschinenbauverbands VDMA legten die Bestellungen im deutschen Maschinenbau im ersten Halbjahr um 5 Prozent zu, getragen von einem Plus von 16 Prozent im außereuropäischen Ausland, während das Geschäft in Europa und speziell in Deutschland rückläufig blieb. Für Siemens dürfte das globale Geschäft damit ein wichtigerer Wachstumstreiber bleiben als der heimische Markt.
Umbau der Führungsstruktur und Healthineers-Abspaltung
Parallel zu den Zahlen kündigte Siemens einen tiefgreifenden organisatorischen Umbau an. Im Rahmen der „One Tech Company“-Strategie streicht der Konzern hunderte Chef-Titel wie CEO oder CFO – betroffen sind weltweit rund 300 entsprechende Positionen. Die Vorstände Cedrik Neike und Peter Körte werden künftig als „Presidents“ statt als CEOs geführt, die neue Struktur soll ab dem 1. Oktober gelten.
Zudem kommt die geplante Abspaltung der Healthineers-Sparte voran: Steuerliche Fragen sind nach Unternehmensangaben geklärt, die entscheidende Hauptversammlung ist für Februar 2027 vorgesehen. Aktionäre sollen dabei 30 Prozent der Aktien erhalten, während Siemens seinen Anteil auf maximal 37 Prozent reduziert. Für Anleger bündeln sich damit binnen wenigen Tagen mehrere strukturelle Weichenstellungen – operativ, organisatorisch und im Beteiligungsportfolio.
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