Siemens hat mit den Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 die eigene Prognose kräftig angehoben – und die Reaktion der Analysten fällt entsprechend aus.
Am 6. August hoben sowohl UBS als auch JPMorgan ihre Einschätzungen an: UBS erhöhte das Kursziel von 310 auf 330 Euro und bestätigte das Rating „Buy“, JPMorgan bekräftigte am selben Tag „Overweight“ mit einem Kursziel von 345 Euro. Beide Häuser reagierten damit unmittelbar auf die vorgelegten Geschäftszahlen.
Die zugrunde liegenden Daten liefern reichlich Argumente: Der Auftragseingang kletterte im dritten Quartal auf einen Rekordwert von 27,9 Milliarden Euro, ein Plus von 14 Prozent auf vergleichbarer Basis.
Der Umsatz wuchs um 8 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro, während der Gewinn im Industriegeschäft um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zulegte. Die Marge im Industriegeschäft sprang von 14,9 auf 17,3 Prozent – ein deutlicher Sprung, der die Ertragskraft des Konzerns unterstreicht.
Guidance-Anhebung mit breiter Basis
Siemens erhöhte im Zuge der Zahlen die Jahresprognose für das Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokation auf eine Spanne von 11,20 bis 11,50 Euro, nachdem zuvor 10,70 bis 11,10 Euro in Aussicht gestellt worden waren. Getragen wird die Anhebung von mehreren Sparten gleichzeitig.
Smart Infrastructure profitiert besonders stark vom Rechenzentrumsboom: Der Auftragseingang der Sparte schoss um 42 Prozent auf einen Rekordwert von 8,0 Milliarden Euro, angetrieben von Großaufträgen aus den USA und Europa. Die Wachstumsprognose für diesen Bereich wurde entsprechend von 8 bis 10 Prozent auf 10 bis 11 Prozent angehoben.
Auch das Digitalgeschäft überzeugt: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres wuchs es um 18 Prozent und übertrifft damit die im November 2025 ausgegebene Zielmarke von 15 Prozent deutlich.
Bei Siemens Mobility kamen im Quartal Großaufträge herein, darunter Doppelstockzüge für die Schweiz im Volumen von 2,2 Milliarden Euro und Instandhaltungsverträge im Vereinigten Königreich über 2,0 Milliarden Euro. Siemens Healthineers steuerte einen Auftragseingang von 6,86 Milliarden Euro bei, ein Plus von 14 Prozent.
Kapitalrückführung und freier Cashflow
Der freie Cashflow legte um 42 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu – ein Wert, der dem im Mai angekündigten Aktienrückkaufprogramm von bis zu 6 Milliarden Euro zusätzliche Substanz verleiht. Mit einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,34 und einem Auftragsbestand von 132 Milliarden Euro verfügt der Konzern über eine komfortable Visibilität für die kommenden Quartale.
Kurs reagiert verhalten auf starke Zahlen
Trotz der positiven Nachrichtenlage zeigt sich die Aktie zuletzt eher schwach: Am heutigen Dienstag notiert das Papier bei 281,10 Euro, ein Minus von 1,3 Prozent. Damit setzt sich ein Rückgang der vergangenen Woche fort, in der der Kurs bereits 1,8 Prozent verlor. Zum 52-Wochen-Hoch von 291,55 Euro, erreicht Ende August, fehlen der Aktie noch 3,6 Prozent.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 252,53 Euro bleibt mit 11 Prozent jedoch deutlich positiv – ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt ist. Auf Jahressicht steht für die Aktie ein Plus von 18 Prozent zu Buche.
Für Anleger bleibt die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und kurzfristiger Kursschwäche das zentrale Bild: Während die Geschäftszahlen und die angehobenen Kursziele der Analysten für weiteres Potenzial sprechen, nimmt der Markt nach dem starken Lauf der vergangenen Monate offenbar zunächst Gewinne mit.
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