Siemens startet in Italien den Eigen Engineering Agent. Die generative KI soll komplexe Automatisierungsaufgaben autonom erledigen — von der Codierung bis zur Hardware-Konfiguration. Auf der SPS Italia 2026 in Parma zeigt der Konzern, wie Industrial AI, Digital Twin und softwaredefinierte Prozesse zusammenwachsen.
KI-Agent geht nach 100 Pilotprojekten live
Der Eigen Engineering Agent ist nativ in TIA Portal integriert. Er erstellt PLC-Code, HMI-Oberflächen und Hardware-Konfigurationen kontextbezogen und validiert sie automatisch. Siemens testete die Anwendung in mehr als 100 Pilotprojekten über 19 Länder. In Italien waren 18 Unternehmen fast zwei Jahre lang eingebunden.
Die Zahlen klingen ambitioniert. Siemens nennt eine Effizienzsteigerung im Engineering von 50 Prozent. Die Bearbeitungszeiten sollen zwei- bis fünfmal kürzer sein als bei manueller Arbeit. Die Lösungsqualität liege um 80 Prozent höher.
Flowpack-Maschinen und Robotik als Testfeld
Für eine Flowpack-Maschine von IMA Record entwickelte Siemens eine KI-basierte Steuerungslogik. Sie verwaltet Sollwerte für Geschwindigkeit und Beschleunigung der Zuführbänder. Die neuronalen Netze wurden in einer simulierten Umgebung trainiert — auf Basis des Digital Twin der Maschine.
Siemens zeigt außerdem die SIMATIC Robot Library. Damit lassen sich Industrie- und kollaborative Roboter innerhalb derselben Automatisierungsumgebung programmieren. Motion-Control-Anwendungen verbinden Motoren, Antriebe und technologische CPUs. Das Ziel: Projektierung, Konfiguration und Inbetriebnahme komplexer Bewegungsanwendungen beschleunigen.
Agentische KI koordiniert Produktion und Logistik
Die Robostar Kitting Cell demonstriert den nächsten Schritt. Mehrere KI-Agenten koordinieren Produktions- und Logistikaufgaben. Sie reagieren auf Prozessanomalien, simulieren Alternativen über den Digital Twin und setzen eine ausgewählte Lösung autonom um. Die Kommunikation zwischen Roboterzelle und fahrerlosem Transportsystem läuft über eine Kooperation mit TIM.
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Siemens präsentiert auch Anwendungen für Energiemanagement. Ein mit General Com entwickelter Schaltschrank überwacht den Energieverbrauch des Messestands in Echtzeit über Energy Manager Pro. Eine Industrial-Edge- und Cloud-Lösung von beanTech und Pittarc soll einen kritischen Qualitätsfehler von 64 Prozent auf 3 Prozent gedrückt haben.
Digitalgeschäft wächst zweistellig
Die Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Hoch von 275,75 Euro. Der Schlusskurs am Mittwoch lag bei 274,65 Euro. Seit Jahresanfang legte das Papier um 14 Prozent zu, über zwölf Monate sind es 26,5 Prozent.
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Auftragseingang vergleichbar um 18 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs vergleichbar um 6 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Das Digitalgeschäft legte in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres um 19 Prozent zu.
Im Segment Digital Industries kletterte der Auftragseingang im zweiten Quartal vergleichbar um 12 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg vergleichbar um 8 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Das Softwaregeschäft wuchs um 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Der jährlich wiederkehrende Umsatz erreichte organisch 5,5 Milliarden Euro.
Von Pilotprojekten zu Seriengeschäft
Die Frage ist, ob Siemens die Industrial-AI-Anwendungen über Pilotprojekte hinaus in zahlende Kunden überführen kann. Die Effizienzversprechen sind steil. Die Technologie ist da. Jetzt muss die Skalierung folgen. Siemens positioniert Industrial AI, Digital Twin, Siemens Xcelerator und TIA Portal als zentrale Bausteine seiner Industriesoftware-Strategie. Der italienische Rollout des Eigen Engineering Agent ist der erste Härtetest.
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