Zwei brennende Öltanker im Roten Meer genügen, um die Ölpreise wieder in Richtung der psychologischen 100-Dollar-Marke zu treiben. Yemens Houthi-Rebellen griffen nach eigenen Angaben die saudischen Tanker Encelia und Layla an — mit direkten Folgen für die Notierungen der großen Ölkonzerne, Shell eingeschlossen.
Angriff auf zwei Tanker sorgt für Nervosität
Die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA bestätigte ein Feuer am Bug der Encelia, machte aber keine Angaben zum Verantwortlichen. Die Besatzung sei in Sicherheit. Die Houthis erklärten zusätzlich, rund zehn weitere Schiffe zur Umkehr gezwungen zu haben — unabhängig bestätigt ist das bislang nicht. Das Institute for the Study of War zählte in einem aktuellen Update mindestens sieben Schiffe, die die Route durch die Straße von Bab al-Mandab inzwischen meiden.
Brent-Rohöl kostete zuletzt 98,78 US-Dollar je Barrel, WTI notierte bei 90,65 US-Dollar. Goldman Sachs hält an einem Basisszenario von 80 US-Dollar für Brent im vierten Quartal 2026 fest, sieht bei anhaltenden Störungen an der Straße von Hormus aber Potenzial für einen Anstieg über 120 US-Dollar. RBC Capital Markets warnt vor einem zweiten Nadelöhr: Über die Pipeline Petroline leitet Saudi-Arabien täglich mehrere Millionen Barrel zum Rotmeer-Hafen Yanbu um. Fällt auch diese Route aus, drohe laut RBC-Strategin Helima Croft eine Situation ohne Ausweg.
Ganz ungebremst läuft die Rally trotzdem nicht. Die US-Energiebehörde EIA meldete für die vergangene Woche einen unerwarteten Anstieg der Rohölbestände um 2,0 Millionen Barrel auf 411,7 Millionen Barrel — der Markt hatte mit einem Rückgang gerechnet. Das dämpft die Dringlichkeit der Angebotssorgen, ohne die geopolitische Lage zu entschärfen.
Kurs reagiert, Rückkauf läuft weiter
Shell-Aktien legten in London zeitweise 1,61 Prozent auf 33,52 Pfund zu, ExxonMobil und TotalEnergies zogen ähnlich deutlich an. Für die Ölkonzerne ist das Muster seit Monaten bekannt: Erst im Juni hatten dieselben Aktien nachgegeben, als eine Waffenruhe zwischen den USA und Iran die Sorge vor Lieferausfällen dämpfte.
Unabhängig von der Preisrally läuft Shells Aktienrückkaufprogramm unbeeindruckt weiter. Am 22. Juli erwarb der Konzern 75.000 eigene Aktien zur Einziehung, zu Preisen zwischen 32,87 und 33,21 Pfund je Anteil. Ob sich die Lage an der Straße von Hormus in den kommenden Tagen beruhigt oder weiter zuspitzt, dürfte darüber entscheiden, ob die 100-Dollar-Marke bei Brent hält oder durchbrochen wird.
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