Shell hat die Messlatte im Raffineriegeschäft neu gesetzt. Der Energiekonzern erwartet für das dritte Quartal eine indikative Raffineriemarge von 42 Dollar je Barrel, im zweiten Quartal waren es noch 24 Dollar. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 2022, kurz nach Russlands Einmarsch in die Ukraine, und lag bei gut 28 Dollar.
Knappe Kraftstoffe treiben die Margen
Hinter dem Sprung steht ein ausgetrockneter Markt für Ölprodukte. Rohöl aus dem Nahen Osten erreicht den Weltmarkt weiter über Pipelines, bei Diesel und Flugbenzin herrscht dagegen Mangel. Mehrere große Raffinerien sind beschädigt und brauchen Zeit für Reparaturen. Hinzu kommen ukrainische Drohnenangriffe auf russische Anlagen und ein chinesisches Exportverbot. Der Markt dürfte damit bis in das Jahr 2027 angespannt bleiben.
Die Dieselpreise in den USA und Großbritannien markieren Rekorde. In den USA kostete die Gallone am Mittwoch 6,31 Dollar, ein Jahr zuvor waren es 3,68 Dollar.
Shell konnte davon nicht voll profitieren. Niedrige Rheinpegel in Deutschland drückten die Auslastung der Raffinerien auf 93 bis 97 Prozent, nach 102 Prozent im Vorquartal.
Gasproduktion über Plan, Chemie schwächer
Auch im Gasgeschäft korrigiert Shell nach oben. Die Prognose für die integrierte Gasproduktion steigt auf 740.000 bis 780.000 Barrel Öläquivalent pro Tag, zuvor standen 570.000 bis 630.000 im Plan. Im zweiten Quartal waren es 631.000. Den Schub liefert die Übernahme von ARC Resources aus Kanada, die im April für rund 13,6 Milliarden Dollar abgeschlossen wurde.
Die Verflüssigungsmengen bei LNG sieht Shell nun bei 7,2 bis 7,6 Millionen Tonnen. Die Spanne für die Upstream-Förderung wurde auf 1,735 bis 1,835 Millionen Barrel pro Tag eingegrenzt.
Der Konflikt wirkt auf die Gassparte gemischt. Die Pearl-Anlage in Katar, eines der Kronjuwelen des Konzerns, wurde angegriffen und produziert noch nicht wieder. Dafür verkauften Shells Händler Flüssigerdgas aus Nordamerika an besser zahlende Kunden in Europa. Die dortigen Speicher sind niedrig, die hohen Gaspreise stützen die Erträge.
Einen Dämpfer gibt es in der Chemie. Die indikative Marge soll auf 208 Dollar je Tonne fallen, nach 270 Dollar im zweiten Quartal. Zudem warnt Shell vor höheren Mittelabflüssen, die das Ergebnis belasten könnten.
Die Aktie schloss am Dienstag an der Londoner Börse bei 3.651 Pence, ein Plus von 0,54 Prozent. Die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal legt Shell am 29. Oktober vor.
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