Der rasante Anstieg der Energiepreise beschert Shell ein starkes Marktumfeld, ruft nun aber auch die Politik auf den Plan. Fünf EU-Mitgliedsstaaten fordern angesichts explodierender Gaspreise eine neue Übergewinnsteuer für Energiekonzerne. Damit mischt sich kurz vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen eine spürbare regulatorische Unsicherheit in die ansonsten positiven Aussichten des Unternehmens.
Rohstoff-Rallye als Auslöser
Die gemeinsame Forderung der europäischen Finanzminister vom Samstag kommt nicht aus dem Nichts. Erdgas verteuerte sich zuletzt um 70 Prozent, während die Preise für die Ölsorten Brent und WTI im vergangenen Monat um mehr als 50 Prozent anzogen. Verantwortlich für diese Preisrallye sind anhaltende geopolitische Spannungen und konkrete Angebotsrisiken im Nahen Osten. Für einen Produzenten wie Shell bedeuten diese Notierungen traditionell einen massiven Zufluss an liquiden Mitteln aus dem Fördergeschäft und dem globalen LNG-Handel. Die nun vorgeschlagene Steuer soll genau diese Gewinne aus der Preisvolatilität abschöpfen, um EU-weite Verbraucherhilfen zu finanzieren.
Aktienrückkäufe und Analystenlob
Ungeachtet der politischen Diskussionen setzt das Management seine kapitalfreundliche Strategie konsequent fort. Erst am vergangenen Donnerstag erwarb das Unternehmen im Rahmen des bis Anfang Mai laufenden Programms weitere knapp 860.000 eigene Aktien. Diese Rückkäufe über Handelsplätze wie die Londoner Börse und die Euronext Amsterdam stützen den Gewinn je Aktie und signalisieren Vertrauen in die eigene Ertragskraft. Auch institutionelle Beobachter werten das fundamentale Umfeld positiv: Die Investmentbank Jefferies hob ihr Kursziel für das Papier kürzlich deutlich von 3.500 auf 4.400 Britische Pence an und bestätigte die Kaufempfehlung.
Konkreter Ausblick auf das Quartal
Belastbare Daten zur operativen Entwicklung liefert Shell bereits am kommenden Mittwoch (8. April) mit dem Trading-Update zum ersten Quartal. Analysten rechnen im Konsens mit einem Gewinn je Aktie von rund 98 US-Cent, was einem Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Neben den reinen Handelsmargen rückt dabei die Einschätzung des Managements zu den potenziellen finanziellen Belastungen durch die EU-Steuerpläne in den Fokus der Investoren.
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